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Hier untersuchter Teilaspekt:

Kommunikation ist in praxi immer multimodal; ihre Erforschung bedarf nebst rationaler auch suprarationaler Kompetenzen. Die Gesprächslinguistik kann durch die Ausdehnung des Forschungsbereichs auf alle Facetten multimodaler Kommunikation zu einer zentralen Grundlagendisziplin für andere Wissenschaftsdisziplinen, aber auch für die Wirtschaft werden. Es gilt, ein interdisziplinär taugliches begriffliches und methodisches Instrumentarium dafür zu entwickeln.

Inhalt

Vorbemerkungen

1.     Begriffliches

1.1.     Interaktion – Kommunikation – Gespräch

1.2.     Multimodale Kommunikation

1.3.     Suprarationalität

2.     Differenzierung der Kommunikationsmodi

2.1.     Verbalsprachlicher Kommunikationsmodus

2.2.     Paraverbale Kommunikationselemente

2.3.     Auditiver Kommunikationsmodus

2.4.     Optischer Kommunikationsmodus

2.5.     Haptischer Kommunikationsmodus

2.6.     Olfaktorischer Kommunikationsmodus

2.7.     Gustatorischer Kommunikationsmodus

2.8.     Energetischer Kommunikationsmodus

2.9.     Kombination mehrerer Modi

3.     „Alle Kommunikation ist multimodal“

3.1.     Steuerung multimodaler Kommunikation

3.2.     Der Traum von der Linearität

3.3.     Struktur multimodaler Kommunikation

3.4.     Multimodale Kommunikationslinguistik als Grundlagendisziplin

3.5.     Instrumente und Methoden

3.6.     Messbarkeitsansätze

Kritische Würdigung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Vorbemerkungen

Die Behauptung ‚Alles ist Kommunikation‘ ist eine sehr vollmundige, sprengt den Rahmen dieser Arbeit bei weitem und bedarf trotzdem einer kurzen Erläuterung, damit der Zusammenhang mit der in diesem Text bearbeiteten Sub-These klar wird. Die Haupt-These ist nur verständlich, wenn man von einem sehr weiten Kommunikationsbegriff[1] ausgeht, wenn ‚Alles‘ wirklich jede Handlung, jeden inneren und/oder äusseren Prozess, jede Wahrnehmung und jede Wahrnehmungsdeutung, ja auch jeden Zustand, jegliche Art von Sein meint. Ich bin mir bewusst, dass ich mit der Haupt- wie mit der Arbeits-These am Rahmen der Wissenschaftsdisziplin ‚Gesprächslinguistik‘ rüttle, indem ich mich gerade nicht auf die Untersuchung von ‚Gesprochenem‘ beschränke. Aber genau darum geht es ja bei der Multimodalität: um das Überschreiten der Grenzen verbalsprachlicher Live-Kommunikation, um die Integration einer Vielzahl anderer kommunikativer Modi. Es geht auch um das Aufzeigen der Relativität jeglicher Grenzziehung. So taugt das Erfordernis der ‚Live-Kommunikation‘ beim Gesprächsbegriff nicht für die Abgrenzung aller Kommunikationsformen: Entspricht z.B. das ‚Selbstgespräch‘ dem Erfordernis der ‚Live-Kommunikation‘, obwohl es sich in keiner Weise nach aussen als Ereignis manifestieren muss? Und ist die aktive, durchaus dialogische Auseinandersetzung mit fixierten Kommunikationsinhalten, z.B. mit einer Tonaufnahme, einer Partitur, einem Drehbuch nun Live-Kommunikation oder nicht? Bei diesen Fragen impliziere ich allerdings bereits die Loslösung vom Anthropozentrismus und der Priorisierung der Verbalsprache, indem ich den Kreis der Kommunikations- bzw. Gesprächsfähigen gewaltig erweitere, um ‚Alles‘ unter den Kommunikationsbegriff subsumieren zu können.

Im dieser Arbeit zugrunde liegenden Modell sind nicht nur Menschen, aber auch nicht nur Tiere und Pflanzen bzw. organische Lebewesen kommunikationsfähig, sondern schlicht alles, was als Entität von irgendeiner anderen Entität wahrgenommen wird. Eine Entität kann also mit allem, was sie ihren Anlagen und Möglichkeiten gemäss wahrnimmt, in einen – ebendiesen Anlagen gemässen – Dialog treten, bzw. die Wahrnehmung selbst ist bereits Dialog, Ansprache, auf die die Entität mit einer ihr gemässen Antwort reagiert. Idealtypisch menschliche Antwort ist die ‚Ver-antwort-ung‘, das heisst das Übernehmen der Verantwortung für die eigene Wahrnehmung.

Das Wort ‚Alles‘ in der Hauptthese umfasst aber nicht für jede Entität dasselbe, sondern eben immer das ihr Gemässe, also die Totalität dessen, was sie mit ihren physischen und psychischen Anlagen wahrnimmt bzw. wahrnehmen kann. Akzeptiert man dieses Axiom, wird die Vorstellung plausibel, dass auch die Auseinandersetzung mit einem Text, beispielsweise der Transkription eines Live-Gesprächs, wiederum ein Akt von Live-Kommunikation sein kann, aber nicht mehr unter den Gesprächsteilnehmern im aufgezeichneten Gespräch, sondern nun zwischen Text und Rezipient. Der Leser ist in ständigem Dialog mit dem Text, befragt ihn, erhält Antworten, hakt nach, der Text verweigert sich, gibt erst nach intensiver Auseinandersetzung, vielleicht auch nach grossen Umwegen über andere Texte gewisse Antworten auf die Fragen des Rezipienten. Genau so können wir alle anderen Wahrnehmungsakte zwischen Entitäten in diesen ‚Rahmen‘[2], diesen kommunikativen Kontext des ‚Gesprächs‘ einbetten. Trotzdem gibt es Kommunikation, die nicht unter diesen Gesprächsbegriff fällt, die das Erfordernis des Live-Austausches bzw. der Präsenz nicht erfüllt. Das klassische Beispiel ist die Kommunikationssituation zwischen Briefschreiber und Briefempfänger. In meinem Modell überlagern sich bei der Rezeption eines Briefes oder sonst eines Textes, der mit zeitlichem und räumlichem Abstand von der Rezeption produziert wurde, zwei Kommunikationsmodi: Ein Modus ist der nicht-direkte Austausch zwischen Briefschreiber und Briefempfänger, der andere ist der direkte Austausch, das ‚Gespräch‘ zwischen dem Empfänger und dem Brief als materiellem Ding mit all seinen kommunikativ relevanten Elementen wie Schrift, Papierqualität, Farbe, Design, Grösse, Art des Verschlusses, Marken und Poststempel, evtl. weitere sichtbare Spuren des Transports, die den Einfluss des Senders übersteigen etc. Meine Hauptthese ‚Alles ist Kommunikation‘ impliziert also einen Kommunikationsbegriff, der sowohl die direkte Live-Kommunikation bzw. das ‚Gespräch‘, wie auch die indirekte Kommunikation umfasst (1.1.).

Ich habe einen Ausschnitt aus dieser Thematik ausführlich behandelt, nämlich die Glücksrelevanz[3] dieses Kommunikationsmodells, und ich fühle mich mit der These auch in recht guter Gesellschaft, z.B. mit Vertretern der Quantenphysik[4] mit der Erkenntnis, dass der Grundbaustein des Universums gar nicht Materie, sondern Energie, Information sei, aber auch mit der sogenannten ‚Neuen Biologie‘, insbesondere der Epigenetik[5] mit ihrer Loslösung vom Darwinismus.

1.     Begriffliches

Verbalsprachliche Kommunikation besteht zu einem grossen Teil aus begrifflichen Klärungen. Die Freiheit, den Konnex zwischen einer Laut- bzw. Zeichenfolge und ihrer Bedeutung festzulegen, ist Lust und Last dieses Modus. Um die im Vergleich zu anderen Modi horrende Missverständnisquote zu minimieren, sind wir im Verbalsprach-Modus also ständig gezwungen, dem Rezipienten zu sagen, mit welcher Bedeutung man eine bestimmte benutzte Zeichenfolge, einen Begriff ausfülle. Denn auch die Lexikalisierung reflektiert immer nur eine Momentaufnahme von Bedeutungen aus der subjektiven Sicht der Lexikon-Autoren, meist mit dem objektivierenden Ansatz von Beispielen des gerade gängigen und allenfalls auch früheren Gebrauchs. Lexikon-Bedeutungen sind bereits am Tag des Erscheinens des Lexikons veraltet und können auch kaum die ausufernde Polysemie vieler Begriffe in den verschiedensten Fachsprachen auflisten. Wenn ich in diesem ersten Kapitel ein paar wenige zentrale Begriffe für diese Arbeit klären möchte, so ist dies nur die Spitze des Eisbergs, das, was ich voraus schicken möchte. Aber die begrifflichen Klärungen ziehen sich bis zur letzten Zeile der Arbeit fort. Diese Sisyphos-Arbeit entbehrt nicht der Ironie, da eine wesentliche Stossrichtung der Arbeit dahin zielt, die Priorität der Verbalsprache zu relativieren, sie besser einzubetten in die Multimodalität – dass aber genau diese Botschaft auf verbalsprachlichem Weg erfolgt, mit sehr wenig Möglichkeit der Integration anderer Modi.

1.1.         Interaktion – Kommunikation – Gespräch

In gesprächslinguistischen Texten tauchen Begriffe wie ‚Interaktion‘[6], ‚kommunikative Interaktion‘, ‚face-to-face-Interaktion‘[7], ‚Kommunikation‘ und ‚Gespräch‘ in wechselnden Überlappungen auf. Ich möchte für diese Arbeit den Begriff der ‚Interaktion‘ als zu eng weglassen, da er etymologisch auf ‚agere‘, also ‚handeln‘ rekurriert. Natürlich könnte man auch ‚handeln‘ weit fassen (ein Ansatz zu einer Immaterialisierung des Handelns zeigt sich bereits in der Sprechakt-Theorie) und sämtliche inneren Vorgänge wie Denken, Reflexion, Selbstgespräch, sich nicht beteiligen, einschlafen etc. auch als ‚handeln‘ bezeichnen[8], aber ich sehe gar keinen Bedarf für die Vielfalt von Begriffen, die durch Weitung nahezu synonym werden. So sehr ich den Begriff des ‚Gesprächs‘ schätze, und so sehr der Name der wissenschaftlichen Disziplin dafür spräche, ihn zu benutzen, ziehe ich trotzdem den Begriff der ‚Kommunikation‘ vor[9], bei der es darum geht, etwas communis, ‚gemeinsam‘ zu machen. Irgendein Inhalt, der vor dem Prozess der Kommunikation noch nicht ‚gemeinsam‘ war, wird durch ebendiesen Prozess ‚gemeinsam‘, wird geteilt mit einer anderen Entität – oder, wie beim Selbstgespräch, mit einer als anderer begriffenen Entität. Im Nomen ‚Gespräch‘ hingegen liegt für mich zu offensichtlich das Verb ’sprechen‘, und dies suggeriert die Fokussierung oder zumindest Priorisierung der Verbalsprache. Genau dies möchte ich aber bei der Untersuchung multimodaler Kommunikation vermeiden. Damit wird aber auch die scharfe Trennung von der Textlinguistik für die vorliegende Untersuchung eher hinderlich. Live-Kommunikation oder Gespräch unterscheidet sich von der übrigen Kommunikation durch das Erfordernis der Unmittelbarkeit des Austauschs[10] – zumindest des potenziellen Austauschs[11] – dank synchroner Präsenz der an der Kommunikation Beteiligten. Dieses Kriterium wird aber bereits bei primär inneren Prozessen wie der ‚Wahrnehmungswahrnehmung‘[12] diffus: Ist die Wahrnehmung, dass ich wahrgenommen werde, nur dann ein Gesprächselement, wenn die beiden Prozesse unmittelbar synchron ablaufen? Und reicht annähernde Synchronizität bzw. Unmittelbarkeit der Abfolge der Beiträge, wie sie z.B. am Telefon normalerweise gewährleistet ist, oder braucht es physische Präsenz? Oder reicht es auch aus für das Kriterium des Gesprächs, wenn die Wahrnehmung, dass ich – z.B. als Briefschreiber, Autor, Künstler oder einer bestimmten Ethnie, Glaubensrichtung, Partei Zugehörender – wahrgenommen werde, zu einem inneren fiktiven Dialog mit dem mich Wahrnehmenden, z.B. einem bestimmten Leser, Rezipienten, Kritiker, Buchbesprecher, politischen und/oder religiösen Gegner führt?

Mit der hier postulierten Öffnung des Kreises der Kommunikationsbeteiligten und dem erweiterten Kommunikationsbegriff wird jeder Wahrnehmungsakt jeder Entität, jede Bezugnahme zweier Entitäten und sogar die künstliche Selbst-Teilung einer Entität in zwei oder mehr kommunizierende Sub-Entitäten zum Dialog, zur Kommunikation. Das rein äusserliche Kriterium der Präsenz oder der Zeitverzugslosigkeit der Abfolge der Kommunikationsbeiträge verliert damit etwas von seiner Stringenz und Brauchbarkeit, weshalb ich im Folgenden darauf verzichte. Als Kriterium für das Vorliegen von Kommunikation im hier vorgeschlagenen Sinne reicht auch die Prozessualität[13] nicht aus, obwohl sie einen Grossteil der Kommunikation kennzeichnet. Aber weder Prozessualität im Sinne des Verstreichens von Zeit noch im Sinne einer Aktivität, eines aktiven Wahrnehmungsaktes, einer Fokussierung und Hinwendung ist bei allen Facetten multimodaler Kommunikation gegeben. Das Phänomen der Synchronizität, das wir vor allem aus der Quantenphysik kennen, zeigt sich auch bei der hier postulierten suprarationalen, komplex-ganzheitlichen Wahrnehmung und entfaltet speziell beim Modus der energetischen Kommunikation seine Wirkung. Und gerade in der bewussten oder unbewussten Passivität, der bewussten oder unbewussten Wahrnehmungsverweigerung kann ebenfalls grosses kommunikatives Potenzial liegen. Empirisch lässt sich dies sowohl in der zwischenmenschlichen Kommunikation, der Kommunikation mit Tieren und Pflanzen wie vor allem auch in derjenigen mit anorganischen, nach gängiger Auffassung trotz quantenphysikalischen Erkenntnissen als kommunikationsunfähig geltenden Objekten zeigen.[14]

Die Kriterien für das Gespräch im Sinne der Gesprächslinguistik, nämlich dasjenige der Flüchtigkeit, der Irreversibilität und der Episodenhaftigkeit[15] sind allerdings auch beim hier vorgeschlagenen Kommunikationsbegriff erfüllt, aber nur in dem Sinne, dass es Dauer, Reversibilität und Identität sowieso nur in Modellen gibt, als axiomatische Setzungen ohne Absolutheitsanspruch. Ein Text ist mithin nur graduell weniger flüchtig als ein Gespräch, da er nie zweimal derselbe Text ist, auch nicht für denselben Rezipienten, sowenig wie wir ‚zweimal in denselben Fluss steigen‘[16]. Jede Rezeption von Text ist damit auch eine ‚Episode‘ für sich. Auch bezüglich der Reversibilität unterscheiden sich Gesprochen-Gehörtes und Geschrieben-Gelesenes nur graduell, wie die z.B. die reiche Rechtsprechung zu mündlichen und schriftlichen Ehrverletzungen zeigt.

Ich möchte auch hier bereits auf die Gefahr hinweisen, die eine ernsthafte Beschäftigung mit multimodaler Kommunikation birgt: Sie lässt sich schwerlich mit einem anthropozentrischen Weltbild vereinen. Wer an der Vorstellung des Menschen als der ‚Krone der Schöpfung‘ hängt, der den Freibrief hat, sich ‚die Erde untertan‘ zu machen, wer sich als Spitze der Evolution betrachtet, als hierarchisch über allen anderen Entitäten thronend und wer für die Legitimation dieses Selbstverständnisses die gebetsmühlenartig wiederholte Einzigartigkeit und Priorität der menschlichen Verbalsprache bemüht, lässt besser die Finger von multimodaler Kommunikation. Sein Weltbild könnte sonst wie ein Kartenhaus in sich zusammen fallen.

1.2.         Multimodale Kommunikation

Multi-modi – eine Vielheit von Kommunikationsarten oder Kommunikationsschienen; Kommunikation, die sich verschiedener Zeichensysteme bedient. Die früher gebräuchliche Einteilung unterschied ‚paraverbale‘, also die Verbalkommunikation begleitende, neben ihr einhergehende (‚para‘ = altgriech. ’neben‘) Kommunikation wie Prosodie (Stimmlage, Tonhöhe, Satzmelodie, Silbenbetonung, Wortakzent, Vokalfärbungen, Art der Glottis etc.), (Un)Deutlichkeit, Atem, Sprechgeschwindigkeit, Rhythmisierung einerseits und ’nonverbale‘ Kommunikation wie Mimik, Gestik, Positionierung und Bewegung im Raum etc. andererseits. Dagegen spricht, dass die reine Negativbezeichnung ’nonverbal‘ als pejorisierend aufgefasst werden kann, aber auch die Überlappung von para- und nonverbalen Elementen macht die Unterteilung fragwürdig. Das Hauptargument für die Wahl einer anderen Bezeichnung scheint mir jedoch die Bezugnahme auf die Verbalsprache als prioritärer Kommunikationsschiene. Soll die multimodale Live-Kommunikationsforschung zur umfassenden und bedeutsamen Grundlagendisziplin werden, gilt es aber sowohl die Anthropozentrizität generell wie die Priorisierung der Verbalsprache speziell zu überwinden. Bei den multimodalen Kommunikationsarten unterscheide ich neben dem verbalsprachlichen Zeichenaustausch (2.1.) und den paraverbalen Kommunikationselementen (2.2.) den auditiven (2.3.), optischen (2.4.), haptischen (2.5.), olfaktorischen (2.6.), gustatorischen (2.7.) und energetischen (2.8.) Modus. Selbstverständlich gehören auch alle Mischformen dazu (2.9.).

Wie oft bei wissenschaftlichen Fragestellungen führen subjektive Wertungen und das Erstellen von Hierarchien in eine Sackgasse. Es geht also nicht darum, eine Rangfolge nach ‚Bedeutsamkeit‘ der verschiedenen Kommunikationsarten zu erstellen, sondern nach funktionalen Kriterien zu untersuchen, wann welcher Modus für welche Aufgabe in welchem Kontext mit welchen Beteiligten gemäss ist. Diese Fragestellung hilft auch für den mit dem Verzicht auf die Priorisierung der Verbalsprache verbundenen Schritt: die Erweiterung des Kreises der potenziellen Kommunikationsbeteiligten. Auch hier hilft das Rekurrieren auf die Funktionalität von Kommunikation: Wenn es darum ging, eine bestimmte kommunikative Aufgabe zu lösen, wurde seit Urzeiten auch auf nichtmenschliche Kommunikatoren zurück gegriffen. So ist z.B. die kommunikative Wirkung von Düften – in beide Richtungen! – unbestritten[17]. Ich schlage also – zumindest für diese Arbeit – vor, grundsätzlich den Kreis potenzieller Kommunikationsbeteiligter so weit wie möglich zu ziehen, das heisst grundsätzlich allem, was eine Entität als Gegenüber, als ob-iectum wahrnimmt, auch eine potenzielle kommunikative Rolle zuzugestehen. Kriterium ist nicht mehr eine wie auch immer geartete Ausstattung mit Organen und Eigenschaften, weder die Fähigkeit zu Verbalsprache noch zu Reflektion im menschlichen Sinne, auch nicht das von der Physik längst in Frage gestellte Kriterium des ‚Lebens‘ im Sinne von ‚organischem Leben‘, sondern allein die Wahrnehmung als Entität durch eine andere Entität. Dies heisst aber, dass wir nicht vorschnell von uns wahrgenommenen Entitäten die Fähigkeit zu Wahrnehmung und Kommunikation absprechen dürfen. Hier liegt m.E. ein zentraler Punkt des anthropozentrischen Zirkels, dass der Mensch die von ihm wahrgenommene Welt nur an der organischen Ausstattung seiner selbst misst, dass er sich zum ‚Mass aller Dinge‘ erklärt. Der Forscher mit echt wissenschaftlicher Haltung unterscheidet aber meines Erachtens nur zwischen Phänomenen unterschiedlicher Nachvollziehbarkeit und bringt die Relativität seiner Ausrüstung, seiner Wahrnehmungsfähigkeiten, seines Wissens- und Entwicklungsstandes stets in seine Untersuchungen ein. Wenn ein unmusikalischer Forscher vor dem Phänomen der Wirkung von Musik auf andere Entitäten steht, schliesst er ja auch nicht, dass es Musik nicht gebe, sondern erkennt den Mangel auf seiner Seite. Wenn wir vor bislang nicht oder nur schwer nachvollziehbaren Phänomenen von Kommunikation zwischen Tieren[18], Pflanzen, Zellen[19], Elektronen[20] stehen, so sollten wir also auch nicht voreilig schliessen, dass es all dies nicht geben könne, mit der zirkulären Begründung, diese ‚Objekte‘ hätten weder Entitäts-Charakter noch Wahrnehmungsfähigkeit, Bewusstheit und damit Kommunikationsfähigkeit. Sobald wir jegliche Hierarchisierung und Bewertung potenzieller Kommunikationsbeteiligter beiseite lassen, öffnet sich die enge Welt anthropozentrischer Kommunikation und die Behauptung ‚Alles ist Kommunikation‘ gewinnt an Plausibilität. Auch die Bewertung kommunikativer Relevanz einer Wahrnehmung wird vor dem Hintergrund dieses Modells relativiert. Dasselbe Tier, dieselbe Pflanze, dasselbe Ding oder Objekt entpuppt sich als für die eine Entität kommunikativ relevant, für die andere Entität, die sich ihm nicht zuwendet, als kommunikativ irrelevant.

Anstatt die verschiedenen Kommunikations-Modi nach menschlichen, geographisch und kulturell geprägten Relevanzkriterien zu bewerten, können wir die Funktionalität und Gemässheit eines Modus als Kriterien beiziehen. Um diesen Parametern auf die Spur zu kommen, müssen wir uns aber die Mühe machen, so nüchtern wie möglich die Eigenschaften, die Eignung eines Modus‘ für bestimmte kommunikative Aufgaben heraus zu schälen.

1.3.         Suprarationalität

Die gebräuchlichen Gegenbegriffe zum Nomen ‚Rationalität‘ und zum Adjektiv ‚rational‘ sind ‚Irrationalität‘ und ‚irrational‘. Daran stören mich sowohl die formale Negation wie die aufgrund der Hochwertung des Rationalen implizite inhaltliche Negativwertung. Ich plädiere aber auch für den Begriff ’suprarational‘ bzw. ‚Suprarationalität‘, weil ich dem reduktionistischen Denken in sich ausschliessenden Gegensätzen generell, seiner ‚Hardcore‘-Form mit dem Zusatz ‚tertium non datur‘ speziell wenig abgewinnen kann[21]. ‚Supra‘ meint ‚jenseits‘, ‚darüber hinaus‘ und will damit nicht einen Gegensatz, schon gar keinen kontradiktorischen, sondern eine Ergänzung, ein ‚auch‘, nicht ein ‚anstatt‘ statuieren. Die Stossrichtung des Plädoyers für die Integration von ‚Jenseits des rein Rationalen Liegendem‘ soll damit bereits im Begriff eingefangen sein: Es geht nicht um den Ersatz der Rationalität durch Suprarationalität, sondern um die funktionale Vernetzung zweier unterschiedlicher Wahrnehmungsverarbeitungsmethoden. Unter Suprarationalität verstehe ich also die zur Rationalität hinzukommenden, gemäss aktuellem Stand der Neurophysiologie vornehmlich in der rechten Gehirnhemisphäre lokalisierten Kompetenzen ganzheitlich-komplexer Wahrnehmung wie das emotionale, intuitive, instinktive, oft auch als ‚automatisch‘, anstrengungslos oder als ‚unbewusst funktionierend‘ erlebte Erfassen energetischer Zustände im Aussen und Innen. Es ist die Dachbezeichnung für diejenige Art von Wissen oder Erkenntnis, die wir als nicht erarbeitet empfinden, deren Zustandekommen wir aber gerade deshalb auch nur schwer analytisch zurückverfolgen können. Diese Mängel in der Rückverfolgbarkeit und generell der analytischen Zugänglichkeit, der Aufsplitterung in Einzelschritte ist zusammen mit der hohen Funktionalität, der beeindruckenden Trefferquote suprarationaler Erkenntnis mit ein Grund dafür, dass die Schulwissenschaft diese Bereiche fürchtet wie der Teufel das Weihwasser: weil nicht sein kann was nicht sein darf. Und solange die Ratio immer noch als rebellisch-aufklärerische Ersatzgöttin zu den machtorientierten Glaubensmythen der Kirche mit alleinseligmachendem Absolutheitsanspruch angebetet wird, darf auch keine Ergänzung zu ihr auf den Sockel treten wollen. Mir scheint allerdings die Zeit reif zu sein für die Wissenschaft, aus dieser etwas pubertär anmutenden Trotzhaltung heraus zu finden, sich aus der Don Quichotte-Reaktion gegen Mächte, die sich längst zu Windmühlen verniedlicht haben, zu emanzipieren und aus einer erwachsenen Position heraus die Offenheit zu erlangen, weg von fundamentalistisch-reduktionistischen, hin zu optimal-funktionalen Modellen der Wahrnehmungsverarbeitung zu gelangen. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre das Ablegen der Berührungsängste vor Suprarationalität.

2.     Differenzierung der Kommunikationsmodi

Ich schlage vor, die Kommunikationsmodi – im Folgenden nur noch ‚Modi‘ – in einem ersten Schritt nach dem (traditionellen) Kriterium der für ihre Erzeugung und Rezeption nötigen Organe und Kompetenzen zu unterscheiden und dann auf ihre Funktionalität und Gemässheit für spezifische Kommunikationssituationen spezifischer Entitäten zu prüfen. Damit möchte ich nicht zuletzt auch die Problematik der Anthropozentrizität, der Priorisierung der Verbalsprache und der Fähigkeitsunterschiede innerhalb einer Spezies mit in die Betrachtungen einbeziehen. Wenn wir nach Organen und Kompetenzen unterscheiden, wird sehr schnell offensichtlich, woran eine intendierte Kommunikation scheitern kann: am Fehlen eines Organs bzw. der nötigen Differenziertheit eines Organs bzw. einer Kompetenz. Die nächste Frage ist dann diejenige nach der Trainierbarkeit bzw. Ersetzbarkeit eines Organs oder einer Kompetenz, um die angestrebte Funktionalität eines Kommunikationsmodus doch noch zu erreichen.

Wenn ich in der Folge sowohl die Verbalsprache wie die menschliche Rationalität kritisch beleuchte, dann unter dem Aspekt ihrer Eignung für spezifische kommunikative Situationen, sei es unter Menschen oder mit nicht-menschlichen Entitäten, oder sei es in Bereichen, die sich der Rationalität verweigern. Kriterium ist immer die Funktionalität, keine vorgeprägte Hierarchisierung. Deshalb spreche ich in der Folge auch von Eigenschaften und Eignungen für ein bestimmtes Kommunikationsvorhaben und nicht von Vor- und Nachteilen eines Modus. Im Rahmen dieser Arbeit kann die Vorstellung der Modi nur skizzenhaft erfolgen. Ziel ist hier nur, sie als vielfältig vernetzte Elemente multimodaler Live-Kommunikation vorzustellen und sich einen Eindruck über ihre kommunikative Funktionalität zu verschaffen.

2.1.         Verbalsprachlicher Kommunikationsmodus

Verbalsprachliche mündliche Kommunikation erfordert auf der Senderseite Sprechwerkzeuge, die Laute in einem vergleichsweise hohen Masse differenziert produzieren können, auf der Rezipientenseite entsprechende Lautdecodierungsorgane wie z.B. das Gehör der Säugetiere, beides in Verbindung mit einem zentralen Codierungs- und Decodierungsorgan wie dem Gehirn, das Wahrnehmungsverarbeitungsresultate in Reaktionen (Handlungen und Unterlassungen) münden lassen kann. Sie eignet sich dank des hohen Differenzierungs-, Präzisions- und Abstraktionsgrads für entsprechende Kommunikationsvorhaben unter Entitäten, die dieselbe Verbalsprache sprechen. Die relative Einfachheit dank der Reduktion komplexer Vielfalt möglicher Laute und Geräusche auf relativ wenige Laute, Geräusche bzw. Signale erhöht die Lernbarkeit dieses Modus auch für Menschen, die mit einer anderen Verbalsprache aufgewachsen sind und nicht über besonderes Talent verfügen. Gerade die mündliche Verbalsprache kann – zumindest für den Alltagsgebrauch – auch von durchschnittlich begabten Menschen weitgehend über Nachahmung erlernt werden. Hinderungsgründe organischer Natur beim Menschen sind Dysfunktionen von Ohr, Auge, Sprechwerkzeugen und natürlich dem Gehirn. Damit sind aber auch die Grenzen dieses Modus bereits angetönt: Verbalsprache ist aufgrund ihres Abstraktions- und Reduktionsgrades in hohem Masse polysem, was sich an einer im Vergleich mit anderen Modi hohen Missverständnisquote zeigt. Trotz vieler Versuche gelang es auch nie, eine wenigstens für die ganze mit den dafür nötigen Organen und Kompetenzen ausgerüstete Spezies vereinheitlichte Verbalsprache zu institutionalisieren. Es gibt nach wie vor eine gewaltige Vielfalt von Verbalsprachen, was einerseits die kommunikative Eignung geographisch stark einengt, andererseits zu einer Sprachlernkultur führte. So sprechen in der Regel alle gebildeten Menschen mehr als nur eine Verbalsprache. Die in einer Fremdsprache erworbenen Kompetenzen sind in den meisten Fällen aber stark reduziert im Vergleich zur Erst- oder Muttersprache. Feinheiten wie Vokalfärbungen, Prosodie, zu einer bestimmten Verbalsprache gehörende Mimik und Gestik (bzw. deren Abwesenheit, deren Mass) werden meist nur von besonders talentierten und/oder lange in der entsprechenden Kultur lebenden Fremdspracherwerbern erlernt. Die Universalisierungsbemühungen scheiterten meines Erachtens aber auch am hohen Willkürgrad beim Konnex zwischen einem Laut bzw. Zeichen und seiner Bedeutung. Diese Verknüpfung zwischen Signal und Bedeutung ist bei fast allen anderen Modi stringenter und damit auch leichter zu verallgemeinern. Bei energetischer Kommunikation spielt die geographische und/oder kulturelle Provenienz, aber auch die organische Ausrüstung der Kommunikationsbeteiligten und damit die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies fast gar keine Rolle mehr (2.8.). Neben der hohen nicht gewollten Missverständnisquote ist auch das bewusst erzeugte Missverständnis bzw. die Lüge am leichtesten in diesem Modus zu bewerkstelligen. Es ist bedeutend leichter, mit Worten als mit dem Körper zu lügen (2.3. und 2.4.). Bereits paraverbale physische Äusserungen wie Stimmlage, Tonfall, Prosodie, Sprechtempo, Stockungen etc. verraten den ungeübten Lügner leichter als die gewählten Worte.

Der mündliche verbalsprachliche Modus eignet sich ausgezeichnet für hochdifferenzierten, präzisen und abstrakten Austausch unter weitgehend ähnlich sozialisierten Menschen mit ähnlichem kulturellen und bildungsmässigen Hintergrund, aber auch für alle Formen von Lüge und Betrug in der Kommunikation. Damit ist auch die Frage nach der Gemässheit angesprochen: Verbalsprachliche Kommunikation ist dem Menschen gemäss, entwickelt eine hohe Funktionalität in einem relativ schmalen Segment von Kommunikationsbeteiligten. Zusammen mit mathematischen Modellen ist sie auch am stärksten von allen Modi der Kommunikation rationaler Ausprägung gemäss. Verbalsprache ist keineswegs auf Rationalität limitiert, wie Lyrik und Poesie, aber auch die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Modi, insbesondere dem auditiven Modus und darin speziell der Musik zeigen; aber es ist der bislang bewährteste und am höchsten differenzierte Modus für den rationalen Diskurs, nicht zuletzt auch wegen seiner Konstruiertheit, seiner ‚Naturferne‘ und seiner hohen Eignung für Behauptung, Schein, Lug und Betrug.

Es ist nicht erstaunlich, dass sich bei diesem Modus die Technik und Kultur der Fixier- und Transportierbarkeit historisch früh und bis zu einem hohen Differenzierungsgrad entwickelte. Man kann ‚Geschichte‘ im Sinne einer Wissenschaft, die auf authentischem, in materieller Form vorhandenem und erforschbarem Datenmaterial beruht, sogar – cum grano salis – durchaus mit dem Beginn verbalsprachlicher Fixierung durch Schrift korrelieren. Problematisch ist die hohe Spezifizierung und die regional verschiedenen Ausprägungen, die den Kreis potenziell in einer Verbalsprache Kommunizierender klein hält und – von wenigen Ausnahmen[22] abgesehen – auf den Menschen beschränkt. Einschränkend ist auch die für eine differenzierte verbalsprachliche Kommunikation erforderliche Ausbildung des Gehirns. Bereits unter Menschen sind hier extreme Unterschiede festzustellen, die sich beispielsweise bei Fremdspracherwerbern aus sogenannt ‚bildungsfernen‘ Schichten zeigen[23]. Ähnliches lässt sich allerdings auch beim ganz normalen Erstspracherwerb von Kleinkindern beobachten, der in der Regel parallel zur Entwicklung von Gehirnfähigkeiten erfolgt. Eine dritte Schwierigkeit verbalsprachlicher Kommunikation liegt im Verlust von Gehalt bei ihrer Fixierung in Schrift. Sie gewinnt durchaus auch an Ausdrucksmöglichkeiten, aber der Verlust an kommunikativem Gehalt kann dadurch nicht wettgemacht werden. Diese Problematik besteht allerdings bei der Fixierung aller Modi. Am ehesten kann der verlorene Gehalt durch gezieltes Training der kommunikativen Kompetenzen im Bereich des energetischen Modus (2.8.) wettgemacht werden und/oder durch eine möglichst reiche Mischung der Modi, also durch optimale Multimodalität (3.). Worin der Verlust an kommunikativem Gehalt bei der Fixierung von Verbalsprache unter anderem besteht, zeigt sich bereits bei den paraverbalen Kommunikationselementen.

2.2.         Paraverbale Kommunikationselemente

Gemeint sind nicht direkt verbalsprachliche, aber doch eng mit der verbalsprachlichen Lautäusserung verknüpfte Elemente der Kommunikation, die man aber mangels Selbständigkeit nicht als eigenständigen Modus bezeichnen kann. Dazu gehören auditive Phänomene wie die Prosodie[24], also Stimmlage, Tonhöhe, Satzmelodie, Silbenbetonung, Wortakzent, Vokalfärbungen, Art der Glottis etc.), (Un)Deutlichkeit, Atem, Sprechgeschwindigkeit, Rhythmisierung, aber auch die Gestaltung des Auditiven durch Pausen unterschiedlicher Länge. Je nach auditiver Begabung und Ausbildung eines Rezipienten prägen sich prosodische Besonderheiten eines Sprechers stärker und bleibender ein als der Inhalt des Gesagten[25]. Auch optische Elemente gehören zum Paraverbalen, wie die direkt mit der Sprache verbundene Mimik und Gestik, die Körperhaltung beim Sprechen oder Zuhören, die Positionen bzw. Bewegungen im Raum, aber auch die Deixis bei der Aufgabe der Situierung[26]. Hier liegt auch die Überlappung mit dem haptischen Modus (2.5.): bei den paraverbalen Begrüssungs- oder Verabschiedungs-Berührungen wie Händedruck, Schulterklopfen, Umarmung mit oder ohne Wangen-Küsschen, Handkuss, aber auch der ganzen Klaviatur der sich physisch äussernden paraverbal-haptischen Erotik. Interessant ist die Verknüpfung vor allem dann, wenn die meist weniger bewusst gesteuerten paraverbalen Elemente in Widerspruch geraten zum verbalsprachlich Geäusserten. Hier zeigt sich bereits eine wichtige Funktion dieser begleitenden Kommunikationslemente: Durch ihren geringen Abstraktionsgrad, durch ihre Unmittelbarkeit und ihr oft unbewusstes oder nur mangelhaft gesteuertes Auftreten reduzieren sie die Willkürlichkeit des Konnexes zwischen Zeichen und Bedeutung und entlarven oft verbalsprachlichen Lug und Trug. Zusammen mit weiteren Modi kann das Paraverbale also auch gezielt im Hinblick auf den Wahrheitsgehalt verbalsprachlicher Äusserungen untersucht werden. Allerdings ist auch die Steuerung dieser Elemente durchaus lern- und trainierbar. Berufsschauspieler, aber auch andere Kommunikationsprofis wie beispielsweise Moderatoren, Redner, Berufspolitiker müssen die ganze Klaviatur der Paraverbalität beherrschen. Die paraverbalen Elemente in der schriftlichen Kommunikation wie Handschrift, Gestaltung, Druckschriften, Trägerart und -gestaltung, Präsentation bis zum Design der Verpackung des Schriftträgers gehören zwar nicht zum primären Fokus der vorliegenden Untersuchung. Wenn wir allerdings den Kreis kommunikationsfähiger Entitäten ausdehnen, um von Anthropozentrizität und Priorisierung der Verbalsprache wegzukommen, wird auch die Auseinandersetzung mit einem Text zur Live-Kommunikation (1.1.), allerdings nicht zwischen dem Autor und dem Leser, sondern zwischen dem Leser und dem Text als Entität, der neben dem verbalsprachlichen Gehalt auch über andere Modi Wirkung entfalten kann.

Die Eignung paraverbaler Kommunikationselemente ergibt sich aus ihrer Bindung an den verbalsprachlichen Modus. Unterschiede in der Gemässheit für eine bestimmte kommunikative Situation ergeben sich auch aus dem allgemein kulturellen und dem spezifisch situativen Kontext im Sinne der ‚Frame and Script‘-Theorie[27]. So ist z.B. eine minimale Begrüssungsmimik meines Wissens nur gerade in Finnland völlig unüblich und das Gestikulieren mit den Händen z.B. in Italien und anderen mediterranen Ländern viel stärker ausgeprägt als im Norden Europas.

Fixier- und Transportierbarkeit

Die Gesprächslinguistik hat gewisse Standards entwickelt[28], um Paraverbales in Transkripten fixier- und übermittelbar zu machen. Mit der Möglichkeit der Aufzeichnung von Auditivem und/oder Optischem mit Tonband bzw. Filmkamera haben sich neue Dimensionen der Fixierbarkeit nicht nur, aber auch von Paraverbalem eröffnet.

2.3.         Auditiver Kommunikationsmodus

Der auditive Modus umfasst die gesamte Live-Kommunikation mit non-verbalen auditiven Zeichen bzw. Signalen. Er überlappt zwar teilweise bezüglich der für die Produktion bzw. die Rezeption nötigen Organe und Fähigkeiten mit den unter 2.2. skizzierten paraverbalen Elementen (die aber wie gesagt keinen eigenständigen Modus bilden), lässt sich aber durch die grundsätzliche Unabhängigkeit von Verbalsprache doch klar abgrenzen vom paraverbalen Bereich. Gemeint ist das ganze auditiv wahrnehmbare Universum jenseits der menschlichen Verbalsprache, alle Laute, Geräusche, Musik, seien sie direkt mit körperlichen Organen wie Stimmwerkzeugen hergestellt, seien sie indirekt durch Dinge, Instrumente, Maschinen erzeugt. Innerhalb der Musik gibt es natürlich wieder Nahtstellen mit der Verbalsprache, die einen viel höheren Komplexitätsgrad aufweisen als die unter den paraverbalen Elementen vorgestellten auditiven Phänomene und die bereits hochinteressante und weitverbreitete Mischformen darstellen, also echte multimodale Kommunikation. Ich denke dabei vor allem an Formen, in denen Verbalsprache und übrige auditive Signale eine starke, oft nahezu gleichberechtigte Verbindung eingehen wie beim Lied, Chanson, Song, in der Oper, Operette, im Oratorium, mit Unterformen, die das Gewicht einseitiger verteilen wie die Arie, wo das Verbalsprachliche etwas mehr in den Hintergrund und das Rezitativ, wo das Verbalsprachliche mehr in den Vordergrund tritt.

Eignung und Gemässheit

Der rein auditive Modus eignet sich gut für suprarationale Kommunikation. Für den Austausch von Emotionen, Stimmungen, Wünschen, Sehnsüchten. Musik z.B. ist eine Kommunikationsschiene mit einer riesigen Verständnisquote unter Menschen über alle kulturellen, religiösen, ethnischen und politischen Schranken hinweg. Reiz und Gefahr nicht rationaler Kommunikation liegt für Menschen in der reduzierten Kontrolle. So können gerade über den auditiven Modus grandiose Glücksmomente, ja eigentliche Glücksrauschzustände erlebt werden, andererseits kann die vor allem durch Musik erreichte Öffnung und Hingabebereitschaft der Rezipienten auch in einem Masse und in einer Schnelligkeit missbraucht werden, wie es über rein verbalsprachliche Kommunikation kaum möglich ist.

Plädoyer für eine Öffnung der wissenschaftlichen Grundhaltung

Bei diesem Modus drängen sich die vorgeschlagenen Erweiterungen des Forschungsansatzes meines Erachtens bereits sehr deutlich auf: Nicht nur Menschen, auch Tiere, Pflanzen, Dinge, Maschinen geben Laute und Geräusche von sich und können damit – völlig frei von einschränkender anthropozentrischer, oft als ‚Ethik‘ getarnter Eitelkeit – als ‚kommunikationsfähige Entitäten‘ in den Forschungsbereich integriert werden. Es geht dann nicht mehr darum, dass Kommunikation auf eine ganz bestimmte eingeschränkte Weise zwischen einem kleinen Kreis dafür auserkorener Entitäten vonstatten geht, sondern der Fokus liegt schlicht auf dem Austausch auditiver Signale. Und auch bei der Feststellung und erst recht bei der Decodierung des Austausches ist m.E. eine gewisse Bescheidenheit am Platz. Wenn wir mit unseren Organen und Kompetenzen nicht fähig sind, das ‚Wie‘ eines Austausches nachzuvollziehen, heisst es noch lange nicht, dass er nicht stattfinde oder nicht unter ‚Kommunikation‘ falle. Sehr oft sehen wir nur an der Wirkung, z.B. an Reaktionen, Verhaltensänderungen, dass Austausch stattfand.

Die Betrachtung der Entwicklung der menschlichen Kommunikation legt diese wissenschaftlich offene Haltung nahe: Erst seit relativ kurzer Zeit ist der kommunikative Austausch von Lautsignalen über grosse Distanzen technisch möglich und auch für den Laien einigermassen nachvollziehbar. Hätten nicht Wissenschaftler an die Möglichkeit dieses Austausches geglaubt, wäre er wohl nie entwickelt worden. Genau so können wir uns dem riesigen Feld des Austauschs auditiver (und anderer) Signale im gesamten von uns wahrnehmbaren Bereich nähern. Es ist ja längst so, dass wir Maschinen konstruieren können, die auf ein auditives oder optisches Signal reagieren. Der Einwand, dies sei keine echte Kommunikation, weil die Maschine nicht über die Möglichkeit des Widerspruchs, des Neinsagens verfüge, mithin kein echter, bewusster Kommunikationspartner sei, sticht nicht:

  • Erstens wissen wir alle aus Erfahrung, dass sämtliche Maschinen aus sehr oft auch von Fachleuten nicht erklärbaren Gründen sich immer wieder der gewünschten Funktion verweigern,
  • zweitens ist die Programmierbarkeit von Maschinen längst soweit, dass eine hoch differenzierte Interaktivität möglich ist, die oft dem teilnehmenden Menschen das letzte an kommunikativen, intellektuellen und handwerklichen Fähigkeiten abverlangt[29]
  • und drittens haben die Medizin, die Psychologie und die Neurologie zunehmend Mühe zu definieren, was Bewusstsein überhaupt ist. Genau so unscharf wie die Grenzen zwischen ‚Leben‘ und ‚Nicht-Leben‘ ist auch die Grenze zwischen ‚bewusst‘ und ‚unbewusst‘.

Angesichts der neusten Erkenntnisse der Quantenphysik mit der These, der Grundbaustein des Universums sei nicht Materie, sondern als Energie auftretende Information[30], wird sogar der für viele Naturwissenschaftler so entscheidende Unterschied zwischen Materie und Immaterie diffus. Wenn gleichzeitig noch die Priorität der Kausalität[31] als wichtigster, einzig wissenschaftlich anerkannter Verknüpfung in Zweifel gerät, kommt das alte schulwissenschaftliche Denken arg ins Wanken. Ein letzter Schritt zu einer offeneren wissenschaftlichen Haltung ist die Wegnahme von Hierarchie und Wertung im Bereich der Wahrnehmungsverarbeitungsmethoden. Noch gilt – wohl immer noch als Reaktion auf die Dominanz der Kirche im Mittelalter – die reine Rationalität als prioritäre, ja einzig relevante wissenschaftliche Methode. Dies obwohl nicht ein einziger grosser wissenschaftlicher Durchbruch durch reine Rationalität gelang. Immer waren Emotionalität, Intuition, instinktives ‚Gespür‘ mit von der Partie. Ex negativo kann man für diese These auch plädieren, indem man aufzeigt, wie riesige Bereiche höchst relevanter Phänomene sich der reinen Rationalität mehr oder weniger entziehen. Gerade die Decodierung komplexer Formen auditiver Signale wie z.B. die Musik kann mit rein rationalen Methoden sowenig erklärt werden wie die Liebe. Die Ratio schafft vielleicht eine differenzierte Beschreibung, z.B. eine Aufschlüsselung der an einem Orchesterklang beteiligten Instrumente aufgrund der verschieden obertonreichen Klangfarben oder eine Beschreibung der Wirkung von Musik auf Rezipienten. Sie kann auch – wie dies die Musikwissenschaft tut, anhand von Zeitverläufen, Kulturräumen und Kompositionstechniken eine gewisse Ordnung schaffen, Strukturen der Entwicklung sichtbar machen. Aber Deskription ist nicht gleichzusetzen mit Erklärung und schon gar nicht mit Verständnis, mit Nachvollzug dessen, was sich in denjenigen Rezipienten abspielt, die über mehr Kompetenzen verfügen als nur gerade über die Ratio. Wer sich also ernsthaft mit der Decodierung komplexer auditiver Signale befassen will und über die reine Deskription hinaus gelangen möchte, muss sich m. E. auch um die Öffnung und Entwicklung seiner suprarationalen Fähigkeiten bemühen. Ein rein rational Agierender mag taugen zum trockenen Musikhistoriker, ein rein suprarational Agierender vielleicht zum berauschenden Musiker, aber erst der sowohl rational wie suprarational Agierende kann sich zum bedeutenden Musiker und Musikwissenschaftler entwickeln.

Es geht hier nicht um eine ‚Beweisführung‘ mit absolutem Wahrheitsanspruch, sondern um eine Einladung zu einer Öffnung der wissenschaftlichen Haltung aus funktionalen Gründen: Wenn wir mehr über die Kommunikation jenseits menschlicher Organe und Kompetenzen erfahren möchten – und falls das Universum tatsächlich aus Information bestehen sollte, könnte sich der Forschungsbereich als hoch relevant und grundlegend erweisen – kommen wir nicht darum herum, gewisse Scheuklappen abzulegen, alte Axiome zu hinterfragen und uns von dem aus voraufklärerischer Zeit stammenden hierarchischen Denken mit dem Menschen in einer zu allem berechtigten Chef-Position zu lösen. Diese Einladung zu einer offeneren Haltung gilt natürlich genau so für die Erforschung der übrigen hier vorgestellten Modi.

Kompetenzunterschiede und Trainierbarkeit

Vom Taubstummen bis zum auditiv hochbegabten und geschulten Blinden oder zum Musiker mit absolutem Gehör sind die Kompetenzunterschiede bereits innerhalb der menschlichen Spezies gewaltig. Es gibt in diesem Bereich auch klare Unterschiede in der stimmlichen Setzung von auditiven Signalen, die sich organisch anhand der Stimmbänder der erwachsenen Männer und Frauen erklären lassen. Dieser allerdings nicht ganz verlässliche Unterschied der grundsätzlich tieferen Männer- und höheren Frauenstimmen hilft in der Alltagskommunikation, das Geschlecht eines Kommunikationspartners rein auditiv zu erfassen. Das bewusste, präzise und sichere Setzen und Decodieren auditiver Signale kann in hohem Masse trainiert werden, sowohl beim Stimmorgan wie bei sämtlichen Klangerzeugungsinstrumenten und -Geräten. In der Fauna existiert ebenfalls eine reiche auditive Kommunikationskultur, die bislang nur marginal erforscht ist. Gerade hier blockiert die Beschränkung auf rein rationale Methoden die Forschung massiv. Es zeigt sich auch, dass die menschliche auditive Ausstattung – zumindest im Bereich der Signalrezeption – nicht das Mass aller Dinge ist. So gibt es Frequenzbereiche wie den Ultraschall, den das menschliche Gehör nicht wahrnimmt, der für andere Wesen wie z.B. die Fledermäuse aber zur grundlegenden Orientierungshilfe gehört. Dass Tiere auf verschiedene Musik auch unterschiedlich reagieren, haben unter anderem Versuche mit Kühen gezeigt, wo die unterschiedlichen Reaktionen anhand der Milchleistung quantifiziert werden konnten. Versuche mit Pflanzen haben gezeigt, dass es Entitäten gibt, die auch ohne die uns bekannten Audio-Rezeptionsorgane auf Klänge und Geräusche reagieren. Bekannt ist auch die Wirkung sehr hoher Frequenzen auf Materialien wie z.B. Glas. Modernere Hightech-Geräte können so programmiert werden, dass sie auf auditive Signale reagieren. Die bekannteste solche Funktion ist vielleicht die Stimm-Kurzwahlfunktion der meisten neueren Mobiltelefone. Diese Technik der Reaktion auf auditive Befehle ist aber in der Robotik bereits auf einem viel höher differenzierten Niveau. Umgekehrt ist auch die technische Erzeugung auditiver Signale auf einem beeindruckenden Entwicklungsstand. Eigentlich ist die Technologie vorhanden, dass verschiedene technische Systeme untereinander mit auditiven Impulsen und auditiven Reaktionen kommunizieren können. Ob sie auch realisiert wird, ist wohl eher von Bedarf und damit wirtschaftlichem Nutzen als von technischen Schwierigkeiten abhängig.

Fixier- und Transportierbarkeit

Im Bereich der Musik gibt es die bereits recht alte[32] Tradition der Notation in Notenschrift. Komplexe Klänge können in Partituren schriftlich festgehalten, gedruckt, damit multipliziert und über längere Zeiträume erhalten werden. Als Dokumentation einer Melodie lassen sich auch die Stiftwalzen und -scheiben in Drehorgel und Spieldose ansehen, aber abgesehen davon war Notenschrift bis zur Erfindung der Phonographie die einzige Möglichkeit, gehörte Musik anders als durch Erinnerung festzuhalten. Der zweite große Nutzen von Notenschrift besteht darin, neue Melodien und andere musikalische Einfälle ausschließlich schriftlich auszudrücken. So konnten musikalische Ideen vermittelt werden, ohne dass sie vom Komponisten auch selber ausgeführt werden mussten[33]. Auch bei der Fixierung von Musik und Geräuschen finden sich Überlappungen mit Verbalsprache in den Angaben zu Tempo, Lautstärke, Agogik, Rhythmik etc. Die Möglichkeit der Tonaufnahme hat diesen Bereich natürlich revolutioniert. Heute können mit einer leicht zugänglichen Technologie längst auch auditive Signale erzeugt und konserviert werden, die über die Decodierfähigkeit des menschlichen Ohres hinausgehen wie z.B. Infra-, Ultra- und Hyperschall, der unter anderem für die Kommunikation mit Tieren eingesetzt wird, die über bessere auditive Organe verfügen als der Mensch[34]. Aber wie oben ausgeführt: solange sich der Kommunikationswissenschaftler nicht um die Ausbildung seiner suprarationalen Kompetenzen bemüht, hilft auch die ganze Technologie der Erzeugung und Konservierung von Auditivem nicht viel weiter. Genau so wie das ‚Hören‘ einer Partitur eine langjährige Ausbildung und intensives Training braucht, so bedarf auch das Decodieren von Tonaufnahmen grosser Anstrengungen sowohl im rationalen wie im suprarationalen Bereich. Das grössere Hindernis in der Schulwissenschaft orte ich weniger in mangelndem Talent und mangelnder Trainingsfähigkeiten, sondern in der Weigerung, Suprarationales als wissenschaftlich relevant anzusehen.

2.4.         Optischer Kommunikationsmodus

Unter den optischen Modus fällt die gesamte Live-Kommunikation mit nonverbalen optischen Zeichen bzw. Signalen. Auch der optische Modus überlappt organ-seits teilweise mit den paraverbalen Kommunikationselementen (2.2.). Es geht einerseits um Körpersprache wie verbalsprachunabhängige Mimik, Gestik, Haltung, Gang, aber auch um ‚Outfit‘, zu dem beim Menschen Aussehen und Kleidung, beim Tier die äussere Gestalt, Fell, Haut, Panzer, bei Pflanzen und anorganischen Entitäten aus der Natur die Form und die Oberflächenstrukturierung (Stacheln, Rundheit, Kantigkeit etc.), bei den menschengemachten Dingen das ‚Design‘ zählt. Es zählt natürlich auch der ganze Bereich der bildenden Kunst dazu, die Architektur inkl. Garten- und Naturgestaltung, Städtebau. Landschaftsgestaltung[35]. Bei diesem Modus zeigt sich die Problematik der selbstgewählten Einschränkung der Wissenschaftsdisziplin ‚Gesprächslinguistik‘ auf Unmittelbarkeit, Präsenz, zeitverzugslose Abfolge der Kommunikationsbeiträge – das, was ich mit dem Etikett ‚Live‘ einzufangen versuche. Wenn wir meinem Vorschlag folgen und den Kreis kommunikationsfähiger Entitäten weit über den Menschen und die Säugetiere hinaus auf alles Wahrnehmbare, alles einer wahrnehmenden Entität Gegenüberliegende ausdehnen, wird das ‚Live‘-Kriterium unscharf. Das Sujet eines Malers ist in der Regel da, bevor es vom Maler als Sujet in den Blick genommen wird und die Kommunikation mit ihm, das Ringen um Abbildung beginnt, während dem sich das Sujet durchaus als schwierig, sperrig, sich der Abbildung verweigernd erweisen kann und damit aktiv am Kommunikationsprozess teilnimmt, unabhängig davon, ob es sich um ein ‚Lebewesen‘ oder eine ‚dingliche Entität‘ handelt. Meines Erachtens beginnt die Live-Kommunikation in dem Augenblick, wo sich der Maler dem Sujet zuwendet, auch wenn es bereits vorher ‚präsent‘, ‚live anwesend‘ war. Denn zuvor war es nur in der Potenzialität, wie alles Wahrnehmbare. Ähnlich sehe ich die Lösung des Problems der Auseinandersetzung mit in der Vergangenheit Produziertem wie Kunst, Texten, Musik, Maschinen etc., bei denen der Hersteller, Schöpfer, Autor aus welchen Gründen auch immer nicht präsent ist, z.B. weil er längst gestorben ist. Die Auseinandersetzung mit dem ‚Werk‘ bzw. dem von ihm geschaffenen Ding, Objekt kann trotzdem als Live-Kommunikation gefasst werden, wenn ich allem Wahrnehmbaren Kommunikationsfähigkeit zugestehe. Wir können sogar noch einen Schritt weitergehen und auch das nur innerlich Vorgestellte, das innere Bild, die Vision, generell den Gedanken, das Thema als kommunikationsfähig bezeichnen. Wenn ein Architekt, ein Designer, ein Komponist, ein Autor, ein Philosoph ein inneres Bild hat, mit diesem Bild, dieser Vorstellung, dieser Vision ringt und sie erst dann materialisiert, so kann dieses innere Ringen ein ganz wesentlicher kommunikativer Prozess sein, der für das ‚Werk‘ vielleicht viel entscheidender ist als der nach landläufiger Auffassung als ‚Live-Kommunikation‘ geltende Austausch mit Bauarbeitern, Unternehmen, Verlagen, Konzertagenturen im Laufe der Realisierung.

Rein optisch wahrnehmbare Signale eignen sich ganz speziell dort und sind denjenigen Kommunikationsteilnehmern gemäss, wo aus funktionalen Gründen andere Modi nicht möglich oder nicht am Platz sind wie zum Beispiel beim Dirigieren von Musik. Auch die intensive optische Signalsetzung des Dirigenten klassischer Grossorchester kann reduziert, minimalisiert werden, was allerdings wieder erhöhte Decodierungskompetenzen der Kommunikationsteilnehmer erfordert. Ein Beispiel dafür ist die reduzierte und doch hoch funktionale Kopfgestik des ersten Geigers in kammermusikalischen Formationen ohne Dirigent.

Auch bei diesem Modus gibt es wichtige und stark verbreitete Mischformen mit Verbalsprache wie (musikloses) Theater, Comic („Bande déssiné“), und bereits aus mehr als zwei Modi zusammengesetzten Formen wie Film, Musical, Oper, wo die ‚Tonspur‘ bzw. das auditive Element einen wichtigen Platz einnimmt neben Optischem und Verbalsprachlichem.

Kompetenzunterschiede und Trainierbarkeit

Sowohl beim Setzen wie beim Rezipieren optischer Kommunikationsreize gibt es immense Unterschiede bereits innerhalb der menschlichen Spezies, noch extremer sind allerdings die optischen Kompetenzen verteilt im Tierreich: vom Infrarot bis zum Ultraviolett, von der farblichen Adaptierbarkeit der Haut an die aktuelle Umgebung des Chamäleons über die zeitliche Raffung bei der Sehweise der Schnecke[36]. Menschen mit normaler organischer Grundausstattung können ihre optischen Kompetenzen innerhalb der menschlichen Bandbreite in hohem Masse verbessern.

Fixier- und Transportierbarkeit

Früher wurden gleiche oder ähnliche Techniken verwendet, um Kreation in optische Signale umzusetzen wie umgekehrt optische Kreationen dokumentarisch festzuhalten. In der stark mimetischen Kunst sind diese Übergänge fliessend. Heute hat sich das ‚dokumentarische Zeichnen bzw. Malen‘ fast nur noch in der naiven Malerei und in der Schweiz z.B. bei den dokumentarischen Zeichnungen von Gerichtsprozessen erhalten (weil in helvetischen Gerichtssälen das Fotografieren verboten ist). Im Übrigen hat die hoch entwickelte Technik der dokumentarischen Fotografie und des dokumentarischen Films diesen Bereich erobert, wobei auch hier die Abgrenzung zur Kunstfotografie und zum ‚kreativen‘, fiktionalen Film (‚Spielfilm‘) oft diffus ist: auch ein Dokumentarfilm hat in vielen Fällen einen gewissen künstlerischen Anspruch – und sehr viele fiktionale Filme haben ein unterschwellig dokumentarisches Anliegen.

Ceterum censeo…

Für den wissenschaftlichen Umgang mit dem optischen Modus und seinen Mischformen gilt das unter 2.3. Gesagte analog: Nur wer neben dem rationalen auch den suprarationalen Approach wagt, kann in die Tiefen optischer Kommunikation eindringen. Wirtschaft und Politik – insbesondere die Werbung – sind diesbezüglich wenig kompliziert. Unabhängig davon, ob ein Kommunikationswissenschaftler rein rational die Wirkung von optischen und auditiven Signalen kausal begründen kann, werden sie eingesetzt, wenn sie Erfolg versprechen. So kommt der Druck auf die Wissenschaft von aussen, aus der Praxis, gefälligst Instrumente zur methodischen Erforschung suprarationaler Wirkungen optischer und auditiver Kommunikationselemente bereit zu stellen. Die Werbepsychologie stellte sich der Herausforderung, kam aber bislang mit ihren empirischen Methoden auch kaum über Deskription und Statistik hinaus. Mein Plädoyer geht aber dahin, dafür zu werben, dass Wissenschaftler die eigenen suprarationalen Kompetenzen so weit ausbilden, dass sie nicht erst ex post statistisch festhalten können, dass sich ein bestimmtes optisches und/oder auditives Element bewährt oder nicht bewährt hat – und vielleicht aufgrund vieler Daten dann Tipps geben können, wie man im nächsten Fall vorgehen könnte, sondern dass sie aufgrund rationaler und emotionaler, intuitiver, instinktiver Wahrnehmungsverarbeitungsrsultate ex ante die kommunikative Wirkung auf eine anvisierte Zielgruppe abschätzen können. Wenn es gelingt, die suprarationalen Fähigkeiten mit den rationalen Kompetenzen zu kombinieren, wird der Kommunikationswissenschafter zu einem relevanten Partner für die Wirtschaft, der die zentrale Brückenfunktion zwischen Wissenschaft und Praxis wahrnehmen kann.

2.5.         Haptischer Kommunikationsmodus

Kommunikation kann über jede Art von physischer Berührung erfolgen, beim Menschen am häufigsten über die – greifenden[37] – Hände und die gesamte innervierte Haut als sowohl signalsetzendes wie signalrezipierendes Organ. Speziell ausgerüstete Organe für die Rezeption sind beim Menschen die Nase und die Geschmacksknospen der Zunge, die man im weitesten Sinne auch als haptische Rezeptoren bezeichnen könnte. Sie sind aber derart spezifiziert und die auslösenden Reize so weit vom mit Händen Greifbaren entfernt, dass sie als eigene Modi gelten (2.6. und 2.7.). Ebenfalls eine Sonderstellung nimmt die Luft und ihre Rezeption ein: Wir können sie am ganzen Körper nahezu haptisch erleben, z.B. bei starkem Wind, bei starker Hitze oder Kälte, wir können gewisse qualitative Aspekte mit der Nase und gewisse quantitative Aspekte mit der Lunge feststellen. Dass der Austausch über die Luft kommunikativ relevant ist, zeigt sich in vielen Situationen, nicht nur, aber auch unter Menschen. So können z.B. schlechte Luft in einem Raum, unangenehme Ausdünstung, schlechter Mundgeruch und Ähnliches stark kommunikationshemmend wirken. Auch die Sprache zeigt in einigen Wendungen die sowohl haptische wie olfaktorische Komponente und die kommunikative Relevanz der Luft: „Die Luft war zum Abstechen“; „Es war nicht schwer zu erkennen, dass bei den beiden dicke Luft herrschte“; „Es fiel ihm kein brauchbares Wort ein. Was kam war nichts als heisse Luft.“ – „Er ertrug es fast nicht, mit dem gehassten X die Luft teilen zu müssen“ – „Die Luft war rein. Endlich konnten sie über alles reden.“

Unter dem Aspekt der Öffnung des Kreises der Kommunikationsbeteiligten wird jede Berührung, jedes physische In-Kontakt-Treten von Entitäten zur haptischen Kommunikation. Die chemischen Prozesse, die Goethe als Analogie für das Geschehen zwischen seinen vier Hauptprotagonisten in seinem Roman „Wahlverwandtschaften“ verwendet, gehören genau so zum haptischen Modus wie das, was sich dann auf der Ebene der Menschen an Berührung ereignet. Die Metaphorik des Wortes ‚Berührung‘ zeigt auch die Vernetzungseignung mit anderen Modi: Wir lassen uns auch innerlich berühren von anderen Menschen, Tieren, Pflanzen, Dingen; aber auch von inneren Vorstellungen, Gedanken, Themen, Aussagen, von Musik, von Zuwendung. Ich will mit dieser Polysemie von ‚berühren‘ werben für den Vorschlag, sowohl beim haptischen Modus wie bei allen anderen Modi auch das Kriterium der Materialität aufzuweichen, durchlässig zu machen. Für die Funktionalität, für die Effizienz, die Wirkung von Kommunikation ist die Frage, ob und wie weit sich ein kommunikativer Prozess auf der materiellen oder auf einer immateriellen Ebene abspielt, von zweitrangiger Bedeutung. Damit sollte der geistige Boden bereitet sein für die Auseinandersetzung mit vermehrt immateriellen Kommunikationsarten (2.8.).

Der rein haptische Modus eignet sich für Kommunikationsaufgaben und –situationen, in denen andere Modi mangels Organen oder Kompetenzen auf der einen oder anderen oder beiden Seiten eingeschränkt oder gar nicht zum Tragen kommen, aber auch für Situationen, in denen das besondere Erlebnis des Haptischen promoviert werden soll. Die tendenzielle Beschränkung auf einen einzigen Modus hat ja immer auch einen besonderen Reiz und kann zu einer Intensivierung der Wahrnehmung führen[38].

Neben der Kombination mit dem verbalsprachlichen Modus, wo Haptisches zu den paraverbalen Elementen gezählt werden kann (siehe 2.2.) sind auch sämtliche übrigen denkbaren Mischformen mit anderen Modi kommunikativ relevant. Haptisch-auditiv ist z.B. sämtliche Instrumentalmusik, haptisch-optische Kommunikation können wir in der Gestaltung und dem Design von Möbeln, Nutzgegenständen, Autos etc. sehen; beim Design von Parfums und anderen Pflege- und Schönheitsprodukten kommt zum Haptisch-Optischen noch das Olfaktorische hinzu, beim Design von Gläsern für Wein oder sonstige Alkoholika zusätzlich zum Haptisch-Optisch-Olfaktorischen sogar noch gustatorische Aspekte; schliesslich ist die Kombination haptisch-auditiv-optisch-olfaktorisch grundlegend in der medizinischen Diagnostik[39].

Kompetenzunterschiede und Trainierbarkeit

Bereits unter den Menschen sind riesige Kompetenzunterschiede in haptischer Kommunikation festzustellen. Sowohl das aktive Setzen wie das passive Wahrnehmen haptischer Reize sind aber über ein mitgebrachtes Talent und eine entsprechende Sensibilität hinaus lern- und trainierbar. Bei Verlust der Hände als den Hauptinstrumenten menschlicher Haptik sind erstaunliche haptische Kompetenzen erwerbbar mit anderen Organen wie den Füssen und dem Mund. In der Tier- und Pflanzenwelt gibt es ebenfalls erstaunliche Phänomene haptischer Kompetenzen mit verschiedensten Organen, so die Kletterfähigkeiten vieler Säugetiere, die Greiffähigkeit des Elefanten mit dem Rüssel, das Selektionieren der Nahrung mit Lippe und Zungen bei Paar- und Einhufern etc.

Fixier- und Transportierbarkeit

Für das Festhalten von rein haptischen Kommunikationsanweisungen wie z.B. einer Massageanleitung gibt es sowohl Kombinationen von Texten mit Grafiken oder Bildern als auch multimodale Computerpräsentationen und Lehrfilme. Ähnliches gilt für haptisch-optisch-auditive Kommunikationsanweisungen wie Choreographien für Tänzer. Für das Festhalten haptischen Geschehens bzw. von Mischformen mit haptischem Anteil ist heute der dokumentarische Film das meistverwendete Instrument. Frühere Kulturen hielten Haptisches teilweise wiederum in haptisch zugänglichen Objekten fest wie z.B. in Skulpturen und Reliefs von Tänzen, Schlachten oder erotischen Szenen.

2.6.         Olfaktorischer Kommunikationsmodus

Kommunikation kann auch auf rein olfaktorischem Weg, über Düfte und Gerüche erfolgen. Wie die Neurophysiologie und die Experimentalpsychologie zeigen konnten, ist die Verbindung zwischen olfaktorischem Reiz und Gehirn sogar eine sehr archaische und sehr schnelle, die zu Bildern und Reaktionen führt, die oftmals wenig bis gar nicht reflektiert und gesteuert werden können. Die hohe Effizienz und Relevanz olfaktorischer Kommunikation hat sich die Wirtschaft, insbesondere die Werbung seit Menschengedenken zunutze gemacht. Aber auch die private Werbung, insbesondere im zwischengeschlechtlichen Bereich, weiss um die Erfolgsrelevanz von Düften und Gerüchen. Damit ist auch die Eignung und Gemässheit angetönt: gerade im suprarationalen Bereich, wo es um die Anregung und Steuerung von Emotionen, Stimmungen, Sehnsüchten, Ahnungen und Intuitionen geht, ist olfaktorische Kommunikation erfolgreich. Zusammen mit passenden haptischen und auditiven Signalen eignet sich olfaktorische Kommunikation auch spezifisch zur Marginalisierung oder sogar Ausschaltung der Ratio. Allerdings gibt es auch Kontexte, in denen Olfaktorisches und rational Verbalsprachliches in Verbindung treten, so z.B. bei gewissen Tätigkeiten von Chemikern und Pharmazeuten.

Kompetenzunterschiede und Trainierbarkeit

Organ-seits sind bei der Rezeptions- und Differenzierungskompetenz gewaltige Unterschiede zwischen verschiedenen Entitäten festzustellen. So verfügen Hunde, Haifische und einige andere Tiere im Vergleich zum Menschen über ein mehrfaches an Differenzierungskompetenz bei Gerüchen und reagieren auch auf viel kleinere Mengen auf viel grössere Distanzen. Selbstverständlich sind auch die olfaktorischen Kompetenzen des Menschen bis zu einem gewissen Grade trainierbar. Wer als Chemiker, Pharmazeut, Parfümeur oder Lebensmitteltester arbeitet, wer sich als Weinkenner profilieren will, muss an seiner olfaktorischen Differenzierungskompetenz arbeiten.

Fixier- und Transportierbarkeit

Düfte und Gerüche werden über die Luft wahrgenommen, sind also flüchtig. Sie können aber an Trägersubstanzen wie Alkohol oder andere flüssige oder feste Stoffe gebunden werden wie in der Parfüm-, Körperpflege- und anderen Industriezweigen, die sich z.B. mit der Beduftung von Räumen befassen. Rezipiert werden können aber viel mehr Düfte als nur die von Menschen eigens mit olfaktorischem Ziel hergestellten. So hat fast alles, was Menschen und Tiere verzehren, neben dem gustatorischen auch einen olfaktorischen Aspekt, der für den Genuss entscheidend sein kann. Die Nahrungsmittelindustrie schenkt diesem Aspekt auch bei der Herstellung naturferner Nahrung Beachtung durch künstliche Duftverstärker, genau so wie künstlich gustatorischen (Geschmacksverstärker etc.) und künstlich optischen Aspekten (Einfärbungen).

2.7.         Gustatorischer Kommunikationsmodus

Mit gustatorischer Kommunikation meine ich den sprachfreien Austausch über Geschmecktes, mit den Geschmacksknospen der Zunge Wahrgenommenes. Dies mag unter Köchen und Gourmands, auch unter Weinkennern vorkommen, aber der rein gustatorische Kommunikationsmodus hat unter den Kommunikationsmodi des Menschen eine relativ marginale Bedeutung. So werden auch gustatorische Behinderungen oder völlige Inkompetenz meist nur vom Betroffenen selbst und allenfalls vom direkt involvierten Umfeld bemerkt. Die Kompetenzunterschiede sind gross, von der völligen Inkompetenz über stark eingeschränktes Differenzierungsvermögen – z.B. bei langjährigen starken Rauchern – bis zu erstaunlichem Differenzierungsvermögen bei den oben erwähnten ‚Schmeck-Profis‘ wie Köchen, Weinkennern, Lebensmitteltestern, Gourmands etc.

Wenn wir mit dem hier promovierten weiten Kommunikationsbegriff auch das Ablehnen von Nahrung und Tranksame als kommunikativen Akt betrachten, gewinnt das Gustatorische allerdings wieder an Bedeutung. Sowohl in der Human- wie vor allem auch in der Tiermedizin, in der Tierzucht und der Haltung von Wildtieren im Zirkus und Zoo spielt die sich in Annahme oder Ablehnung äussernde Kommunikation der Tiere eine wichtige Rolle. Entscheidend ist dabei oft neben der Zusammensetzung und Aufbereitung auch der gustatorische und olfaktorische Aspekt. Damit ist auch bereits etwas über die Eignung und Gemässheit dieses Modus gesagt: Dort, wo andere Modi nur beschränkt greifen – ein Tier kann selbstverständlich auch optisch und auditiv durch Körpersprache und Laute seine Meinung zur vorgesetzten Nahrung kund tun – oder mangels entsprechender Kompetenzen gar nicht benutzt werden können wie bei allen Entitäten, die nicht – oder wie bei Kleinkindern und Fremdsprachigen noch nicht – eine vom Umfeld verstandene Verbalsprache sprechen, dort ist gustatorische Kommunikation am Platz, geeignet und gemäss, wenn auch meist in Kombination mit anderen Modi. Die Kombination mit Verbalsprache hat unter Menschen eine reiche Tradition und Kultur. Tausende von Kochbüchern, Sendungen zum Kochen, Kochkurse und vieles mehr zeugen davon. Damit ist auch auf die Fixier- und Transportierbarkeit hingewiesen. Rezepte sind gleichzeitig sowohl Dokumentationen von Experimenten mit Gustatorischem wie auch Anleitungen dazu.

Multimodale Partituren

Allerdings ist damit über den Genuss-Aspekt, der letztlich für den Erfolg der meisten gustatorischen Kommunikationssituationen einen entscheidenden Faktor darstellt, nichts ausgesagt. Ein Rezept, ein Kochkurs, eine Kochsendung kann immer nur anleiten, wie ein gustatorisches Resultat erzeugt werden kann, aber nie etwas darüber aussagen, wie es vom Rezipienten aufgenommen wird. Diese Problematik besteht natürlich auch bei den anderen Modi. Ich behaupte, dass erst komplexe multimodale Kommunikation, die suprarationale Aspekte (1.3.; 2.8.) mit einbezieht, darüber Aussagen machen kann. Ein Film mit Tonspur, zusammen mit einer drehbuchartigen multimodalen Partitur mit olfaktorischen und gustatorischen fixierten Signalen kann z.B. nicht nur zeigen, wie ein Menu anleitungsgemäss entsteht, wie die einzelnen Bestandteile riechen und schmecken, sondern auch die Reaktionen der Teilnehmer festhalten. Um auch die Live-Situation abzudecken mit derjenigen Entität, die diese multimodale Partitur wahrnimmt, braucht es wiederum eine Kamera, die diese Situation aufnimmt und mit der entsprechenden Software in die bereits vorhandene multimodale Partitur aufnimmt. Jeder Rezeptionsvorgang fügt also der Partitur wie eine zusätzliche ‚Notenlinie‘ hinzu, auf der die Reaktion des Rezipienten auf das komplexe Ganze festgehalten wird.

2.8.         Energetischer Kommunikationsmodus

Unter der Etikette ‚energetisch‘ möchte ich ex negativo alle Kommunikationsarten subsumieren, die nicht klar einem anderen Modus zugeordnet werden können. Positiv gesprochen zähle ich die Ausstrahlung, das Charisma, das Ambiente, die Stimmung, die auf Körper, Emotion und/oder Geist von Entitäten wirkende Energie von Entitäten. Da ich von einem weiten Kommunikationsbegriff ausgehe und jedem als Entität wahrgenommenen äusseren oder inneren Objekt Kommunikationsfähigkeit zugestehe, gehören dazu nicht nur organische Entitäten wie Menschen, Tiere und Pflanzen, sondern auch anorganische wie Räume, Dinge, Objekte, Maschinen, aber auch innere Dinge wie Ideen, Gedanken, Vorstellungen, Themen, Visionen, Projekte etc. Es geht bei diesem Modus also nicht nur um die Ausstrahlung eines Menschen auf andere Menschen, sondern genau so um die energetische ‚elektrisierende‘ Wirkung einer Idee auf denjenigen, der sie hat, auf die energetische Interaktion – zum Beispiel die emotionale Beziehung – zwischen einer Geige und derjenigen, die sie spielt, um das Charisma einer Leitstute, das sich in der freiwilligen Unterordnung der Herdenmitglieder zeigt, um das Ambiente in einem Raum, zum Beispiel in einem sakralen Raum oder einem auditiv speziell konstruierten Konzertsaal, um die energetische Interaktion zwischen Landschaft und Lebewesen, zwischen Meeresbewohnern, um das suprarationale energetisch-kommunikative Band zwischen Mensch und Maschine, zum Beispiel einem Auto, Flugzeug, das fast alle Männer und fast keine Frauen nachvollziehen können. Selbstverständlich geht es bei diesem Modus auch um alle nicht-korporalen Formen von Liebe, Zuwendung, Vereinigungsbestrebungen, genau so wie um den Gegenpol der nicht-korporalen Formen von Ablehnung, Hass, Distanzierungsbestrebungen.

Diesen Modus nur deshalb nicht als Forschungsbereich anzuerkennen, weil er die Grenzen des Rationalen an allen Ecken und Enden sprengt, weil er sich bislang nicht mit international anerkannten Masseinheiten quantifizieren lässt oder weil gewaltige Unterschiede in der Produktion wie in der Rezeption energetischer Kommunikation bestehen, ist für mich nicht stichhaltig. Wie bereits unter 2.2. ausgeführt plädiere ich für eine lockere, gelassene Öffnung der wissenschaftlichen Haltung, die sich von der paralysierten Reaktion auf die mittelalterliche Kirche löst und sich allem Wahrnehmbaren mit gleichem Interesse annimmt. Wie schäbig die Forschungsresultate sind, wenn man nur rational quantifizierbare, sich materiell manifestierende Teile eines Bereichs untersucht, zeigte Sigmund Freund exemplarisch mit der Reduktion des umfassenden Bereichs der Liebe auf die Libido. Einer der zentralsten Bereiche der Kommunikation, alle nicht-korporalen Aspekte der Liebe wie Eros, Philia und Agape, blieben so ausserhalb des wissenschaftlichen Diskurses, wurden zur Domäne von ökonomischen und Macht-Interessen, von Werbung, Wirtschaft, Politik und Pseudo-Wissenschaften. Dies ist meines Erachtens nicht zuletzt ein Grund, warum die universitäre Psychologie zu einer Mischung von Statistik und paramedizinischer Reparationswissenschaft degeneriert ist, warum sich die philosophische Ethik so hilflos gebärdet und so wenig Beachtung findet.[40]

Wenn nun eine junge Disziplin wie die Gesprächslinguistik sich suprarationalen Kommunikationsmodi öffnet, begeht sie meines Erachtens keinen Frevel mehr. Auch die lange Zeit vergötterte Götzin Ratio steht längst nicht mehr so sicher auf ihrem Sockel. Kommt dazu, dass suprarationale Fähigkeiten genau so trainierbar sind wie rationale. In der Wirtschaft und der Politik findet das längst statt und ich gebe selbst zusammen mit anderen Leitern Seminare und Workshops, in denen es um Führungsqualitäten wie Charisma und Ausstrahlung geht. Den Pragmatikern reicht es, wenn sie den Nutzen solcher Trainings ex post anhand der positiven Veränderungen und Resultate feststellen können. Sie stören sich nicht daran, dass man bei der Sektion einer charismatischen Persönlichkeit bislang noch kein spezielles Gen, keine zusätzliche Hirnwindung gefunden hat und dass auch die phonetische Analyse der Rede eines Charismatikers keine sicheren, quantifizierbaren Daten ergibt. Auch die Reduktion auf Gang, Gestik und Mimik entzieht sich vorläufig der genauen Rezeptur, denn es gibt Charismatiker im Rollstuhl wie den britischen Astrophysiker Stephen Hawking. Dass energetische Kommunikation wirkt, kann allerdings durch Beobachtung auch vom stumpfesten Rationalisten festgestellt werden. Interessant sind entsprechende Tierversuche, die zeigen, dass sowohl charismatische Tier- wie Menschenpersönlichkeiten eine starke Wirkung erzeugen können. Wer über einigermassen trainierte suprarationale Fähigkeiten verfügt, kann allerdings bereits vor Eintreten sicht- oder sonst messbarer Wirkungen in den energetischen Kommunikationsprozess eingreifen, kann direkt live daran teilnehmen. Sicher gibt es angeborene Unterschiede, Begabungen, Talente wie bei allen anderen Modi auch. Aber die Arbeit am Mitgebrachten ist genau so anstrengend wie bei allen anderen Kompetenzen. Das Training emotionalen und intuitiven Differenzierungsvermögens ist aufwändig und gelingt meist nur in den Bereichen, in denen man auch intensiv übt. So kann ein erfahrener Personalberater oder ein Offiziers-Selektor auch unabhängig vom Dossier bereits nach wenigen Sekunden erste Eindrücke festhalten, die er dann anhand des weiteren Live-Kontakts und des Dossiers auch rational abstützen kann. Damit ist auch die Kombination angesprochen, für die ich hier plädieren möchte: Die suprarationalen Eindrücke zulassen, festhalten und nach Möglichkeit rational überprüfen. Es gibt allerdings Situationen, in denen die Zeit für diese immer aufwändige rationale Kontrolle nicht reicht. Nur schon deshalb ist das Training der suprarationalen Kompetenzen sinnvoll und nötig, auch und gerade für den wissenschaftlich Tätigen, wenn er nicht nur in der geschützten Werkstätte der Theorie tätig sein will. Hier zeigt sich auch ein wesentlicher Mangel der Rationalität: sie hat keinen Zugang zur Zeitlosigkeit, zur Präsenz, zum Jetzt, zur ‚reinen Gegenwart‘ oder wie immer man den qualitativen Aspekt der Zeit benennen will (altgriech. ‚kairos‘). Energetische Kommunikation erfordert aber diesen Zugang zur Synchronizität, wie er auch in der Quantenphysik gesucht wird. Ratio ist ein wundervolles Instrument zur Erforschung des Habens und der Quantität, aber ziemlich hilflos gegenüber dem Phänomen der Qualität. Wenn Ratio auf Qualität stösst, versucht sie sie sofort zu quantifizieren. Supraratio hingegen findet den direkten Zugang zur Qualität.[41]

Eignung und Gemässheit

Energetische Kommunikation ist hoch geeignet für alle Situationen, in denen Zeitdruck herrscht. Wenn Entscheidungen in Sekundenbruchteilen getroffen werden müssen, aber auch wenn ein erster, möglichst aussagekräftiger Eindruck gewonnen werden soll, der für den Fortgang des Kommunikationsprozesses wichtig ist. Solche Situationen sind nicht nur in der zwischenmenschlichen Kommunikation häufig, sondern auch in der Begegnung mit Tieren, wo auch viel schneller eine unverfälschte Reaktion erfolgt. Tiere lassen sich weder von protziger Ausrüstung noch von Titeln oder äusserlicher Macht beeindrucken. Ein Jack Russell Terrier pinkelt auch einem Nobelpreisträger oder einem Milliardär ans Bein, wenn es diesem nicht gelingt, den Hund auf der energetischen Ebene mit seiner Ausstrahlung zu erreichen.

Fixier- und Transportierbarkeit

Für das Festhalten der Wirkung energetischer Kommunikation verweise ich auf das unter 2.7. beim gustatorischen Modus Gesagte. Die sich in allen anderen Modi manifestierende Wirkung energetischer Signale kann in multimodalen Partituren festgehalten werden und ist so auch dem Rezipienten zugänglich, der selbst energetisch völlig unsensibel ist – oder aus einer fundamentalistischen Haltung heraus vorhandene energetische Kompetenzen nicht zum Tragen kommen lässt. Delikater ist die Fixierung im Sinne einer Anweisung, eines Rezeptes, einer Komposition. Hier stösst das Instrument der Partitur an seine Grenzen, da auch eine peinlich genaue Rekonstruktion energetischer Kommunikation, die nachweislich Wirkung entfaltete, keine Garantie für Wiederholbarkeit beinhaltet. Kleinste Kontextänderungen – aber auch das Ausbleiben von Kontextänderungen, der von einem anvisierten Kommunikationspartner bemerkte Versuch, genau dasselbe ein weiteres Mal genau gleich zu machen, können den Erfolg vereiteln, die intendierte Wirkung verhindern. In Kleists Marionettentheater ist diese Problematik ebenfalls angesprochen: die Anmut verliert ihre Wirkung, wenn bewusst versucht wird, sie herzustellen. Und bei Jürgen Streecks Arbeit zur Handgeste[42] sehen wir, dass rein durch Zeitverlauf, ohne die geringste Änderung in der Gestik, sich die Bedeutung vom Bieten zum Bitten wandeln kann. Genau so kann sich bei energetischer Kommunikation rein durch das Vergehen von Zeit als einziger ‚Kontextänderung‘ die Wirkung verändern, ja sich in ihr Gegenteil verkehren. Energetische Kommunikation ist zwar lern- und trainierbar, aber sie entfaltet ihre volle Wirkung erst, wenn sie sich ohne bewusste Anstrengung vollzieht, wenn der Kommunikator nicht mehr mühsam Schritt um Schritt rational abrufen und produzieren muss. Dies lässt sich an jedem Lernprozess beobachten. Solange der Tanzschüler sich gesehene Bewegungen bewusst machen und sie über rationales Erkennen und Benennen per Anweisung an seine Körperteile nachzuvollziehen versucht, kann zwar bereits eine korrekte Körperkoordination erfolgen, aber das Resultat wirkt unelegant, plump, nicht fliessend, es fehlt die Anmut, die Souplesse, die Selbstverständlichkeit, die sich erst ergibt, wenn die rationale Kontrolle nicht mehr erforderlich ist, wenn der Bewegungsablauf wie automatisch oder eben suprarational gesteuert abläuft. Bei allen komplexen Tätigkeiten zeigt sich dieser Übergang vom rationalen zum suprarationalen Modus, da der rein rationale Prozess generell zu aufwändig, zu zeitraubend ist und sich vor allem nur beschränkt synchron überlagern lässt. Ratio kann im besten Fall sehr schnell hintereinander schalten wie der Computer, aber sie kann nicht unzählige Aufgaben gleichzeitig bewältigen wie die Supraratio, die man auch als ‚ganzheitliche‘ oder komplexe Problembewältigungsmethode bezeichnet. In Notsituationen, die eine zeitverzugslose Bewältigung komplexer Probleme erfordern, schaltet sich auch bei Menschen, die sonst völlig einseitig der rationalen Methode huldigen, automatisch der suprarationale Modus ein, der auch völlig unkonventionelle Aktionen ermöglicht, die von einer nüchternen Rationalität gar nicht in Erwägung gezogen oder als unmöglich ausgeschieden würden.

Ich will mit diesen Hinweisen plausibel machen, dass energetische Kommunikation eine Öffnung der wissenschaftlichen Haltung erfordert, weil sich das Setzen energetischer Kommunikationssignale zweifach der reinen Rationalität entzieht: Einerseits weil der Versuch, sie rational bewusst zu konstruieren, einen kontraproduktiven Effekt hat, sie be-und oft sogar verhindert; andererseits weil es sich dabei um ein komplexes synchrones Phänomen handelt und Ratio Komplexität nur durch Aufschlüsselung in Einzelelemente erfassen kann, damit aber dem Erfordernis der Synchronizität nicht gerecht wird. Aber wenn schon die Quantenphysik, die ja kaum im Verdacht steht, eine religiöse Sekte oder eine esoterische Quacksalberdisziplin zu sein, sich mit komplexer Synchronizität herumschlagen muss und damit die ausgetretenen Pfade althergebrachter, rein rationaler Wissenschaftsmethodik längst verlassen hat, so könnte doch auch die junge Gesprächslinguistik Ähnliches wagen?

2.9.         Kombination mehrerer Modi

Man kann jede Kombination von zwei Modi bereits als ‚Multimodalität‘ bezeichnen. Dies nimmt dem Begriff aber etwas an Schärfe. Ich ziehe es vor, bei zwei Modi von ‚bimodaler‘ Kommunikation zu sprechen und ‚multi‘ als ‚mehr als zwei‘ zu verstehen. Multimodale Kommunikation ist komplexe, aus vielen Modi bestehende Kommunikation. Doch der Begriffsstreit verliert an Bedeutung bei einer genaueren Analyse irgendeiner Kommunikationssituation. Man wird rasch feststellen, dass es monomodale und auch bimodale Kommunikation in praxi kaum gibt, dass – zumindest wenn man den von mir vorgeschlagenen weiten Kommunikationsbegriff und den weiten Kreis kommunikationsfähiger Entitäten zugrunde legt – eigentlich immer mehrere Modi beteiligt sind. Gerade die am schwierigsten fassbare energetische Kommunikation ist immer beteiligt, sie wird einfach nicht von allen in gleicher Intensität wahrgenommen. Aber dieses Problem stellt sich bei allen Modi. Die gesellschaftliche Akzeptanz von Kompetenzmängeln ist aber sehr unterschiedlich, was sich zum Beispiel an der Etikettierung als Behinderung zeigt. So werden Mängel in optischer und auditiver Kompetenz in den meisten Kulturen klar als Behinderungen qualifiziert[43], wogegen Kompetenzdefizite im haptischen, olfaktorischen oder gustatorischen Modus vielleicht als skurrile Nebenerscheinungen gelten und völlige Stumpfheit im energetischen Bereich auch von den Betroffenen oft kaum wahrgenommen wird, da es sich nicht um Qualitäten handelt, die für ökonomischen und – damit meist verbunden – gesellschaftlichen Erfolg relevant zu sein scheinen in unserem Zeitparadigma. Auch der Konnex zwischen energetischer Inkompetenz und Depression, Demenz, hohen Suizidraten, generell der für Materialisten doch eigentlich erstaunlichen indirekten Proportionalität zwischen Wohlstand und Glücksbefindlichkeit in den westlichen Sozialstaaten wird kaum gemacht. Korrektur und Therapie wird in aller Regel und meist erfolglos auf der (vermeintlich[44]) materiellen Ebene gesucht, was zeigt, dass der energetische Modus und seine Bedeutung noch kaum erkannt werden in unseren Breitengraden.

3.     „Alle Kommunikation ist multimodal“

Ich behaupte also nicht nur, dass alles Kommunikation sei, sondern auch, dass alles multimodale Kommunikation sei und – weil der energetische Modus immer mit von der Partie sei – immer auch suprarationaler Kompetenzen bedürfe, um ganz erfasst werden zu können. Wir können zwar den Fokus sowohl bei der Produktion wie bei der Rezeption auf einen einzigen Modus richten, indem wir den anderen beteiligten Modi keine Beachtung schenken, aber sie sind trotzdem da und am Gelingen oder Misslingen der Kommunikation beteiligt. Wir kennen es vielleicht am besten vom verbalsprachlichen Modus. Wir wollen einzig und allein der hochintelligenten Botschaft lauschen und versuchen angestrengt, den grässlichen Dialekt, die fürchterliche Satzmelodie, die scheussliche Kleidung, die weisslichen Geiferspuren in den Mundwinkeln, den ätzenden Mundgeruch des Vortragsredners, den bitteren Nachgeschmack des in der Pause genossenen Espressos auf der Zunge und die bleierne Stimmung im Hörsaal auszublenden. Meist mehr oder weniger erfolglos. Sogar bei einem klugen Text, der ja immerhin in physischer Distanz vom Autor rezipiert werden kann, wird die Fokussierung auf den nackten Inhalt behindert, wenn er schlecht übersetzt, fehlerhaft auf lausiges Papier gedruckt, in schreiendem Umschlag daherkommt, in haptisch unangenehmem Format und womöglich noch billig riechend. Der eigene Doppelärger über diese Präsentation, und darüber, dass man sich darüber ärgert, gibt dann zu guter Letzt noch den energetischen Modus ab.

3.1.         Steuerung multimodaler Kommunikation

Umgekehrt kann man natürlich im Wissen darum, dass Kommunikation immer multimodal ist, versuchen, sie botschaftsadäquat und zielpublikumskonform zu steuern. Die Werbung tut dies in Wirtschaft und Politik mit beachtlichem Erfolg und ohne die geringsten Berührungsängste vor suprarationalen Phänomenen. Doch auch die Webewirtschaft kämpft immer wieder mit dem Problem der Quantifizierung. Sie profitiert einerseits von der Zahlengläubigkeit vieler Auftraggeber, andererseits weiss sie sehr wohl, wie dünn und brüchig die Illusion ist, die quantifizierbaren auditiven oder optischen Kontakte mit einer Werbebotschaft seien wirklich signifikant für den Verkaufserfolg des beworbenen Produkts. Der Druck ist aber vorläufig noch nicht gross genug, sich intensiv – und kostenaufwändig – mit dem Training suprarationaler Fähigkeiten zu beschäftigen, solange der Trick mit den Statistiken immer noch funktioniert. Ich behaupte, dass sich anhand der Werbewirtschaft sehr gut ablesen lässt, wann ein Paradigmawechsel wirklich zu greifen beginnt. Es ist immer dann, wenn ein kosten- und auftragsmässig relevanter Teil der Konsumenten etwas will oder eben nicht mehr will. In unserem Fall ist es der Tag, an dem potente Werbeauftraggeber verlangen, dass nicht erst ex post die Stringenz einer Kampagne belegt werden kann anhand von Werbebotschaftskontakt-Statistiken und Verkaufszahlen und dem meist höchst wackligen Versuch, diese beiden Grössen in einen direkten Kausalzusammenhang zu stellen, sondern im voraus, und zwar plausibler als mit dem Verweis auf die Statistiken früherer Kampagnen. Diese Abschätzung ex ante braucht Gespür für den Zeitgeist und dessen unmittelbar bevorstehende Entwicklung; intuitives Wissen darüber, was ankommen wird in allernächster Zeit. Hätten die britischen Verlage, die das Manuskript der Sozialhilfeempfängerin Joanne K. Rowling ablehnten, über dieses Gespür verfügt oder entsprechend trainierte Berater zur Seite gehabt, hätten sie die Harry-Potter-Millionen einstreichen können. Diese und ähnliche Ereignisse aus der Wirtschaft, aber auch all die Milliardenpleiten, die vielen Betrugsfälle, die meist auf ausgezeichnetem und rational analysiertem Zahlenmaterial beruhten, lassen das Bedürfnis nach einer Erweiterung der Wahrnehmungsverarbeitungsmethoden wachsen.

3.2.         Der Traum von der Linearität

Eine der häufigsten Fehlüberlegungen, die meist sehr rational begründet und mit Statistiken untermauert daherkommt, ist die lineare Extrapolation einer Entwicklung. Linearität ist eine typisch rationale Hilfsvorstellung, die durchaus in kleinen Massstäben funktional sein kann. Suprarationalität ist hingegen nie linear, das merken wir schon, wenn wir über unsere Emotionen nachdenken: Es käme uns kaum in den Sinn zu glauben, unsere Freude, unser Ärger würden linear ins Uferlose weiterwachsen – genau das glauben aber viele Manager, wenn es einmal eine gewisse Zeit nach linearem Wachstum ausgesehen hat in ihrem Unternehmen. Es gehört zu den Nachteilen rationalen Denkens, dass es oft mit Scheuklappen bewehrt nur auf das Detail, die Einzelschritte schaut und das Grossräumige, Komplexe, Ganzheitliche scheut. So habe ich noch nie einen Unternehmer, Politiker oder Wissenschaftler der eiskalt-rationalen Sorte getroffen, der sein Unternehmen, seine Nation, sein Fachgebiet aus der Distanz zu betrachten versucht hätte, die ihm die Sinuskurve von Aufstieg und Niedergang, von Aufblühen und Dekadenz gezeigt hätte. Die unausrottbar scheinende Metaphorik des Fortschritts im Sinne einer Aufwärtsbewegung ist – so wenig rational sie scheint – offenbar ganz stark mit der rational-analytischen Scheuklappen-Sichtweise verbunden. Als Korrektur und Ergänzung dazu gibt es die suprarationale Sicht, die auch das eigene Leben intuitiv als Sinuskurve mit dem dazugehörigen Abstieg und Tod vermittelt, auch wenn die besten rationalen Kräfte unseres Zeitparadigmas angestrengt am Gegenteil, an der vom suprarationalen Standpunkt aus gesehen so kurzsichtigen, ja lächerlichen Vision der möglichst linearen Fortsetzung des Lebens arbeiten.

Wer – durchaus kühl-rational – seine Intuitionen, Ahnungen, alles ihm irgendwie zugefallene Wissen, alle nicht erarbeitete Erkenntnis kritisch auf diesen Punkt hin untersucht, wird – so behaupte ich – nie auf Linearität stossen. Gerade dieses Beispiel zeigt aber auch, wie ich mir das Zusammenspiel zwischen Ratio und Supraratio vorstelle: zuerst die ganzheitlich-komplexe Supraratio, dann die zeitaufwändige, aber kühle, so weit wie möglich das Geschehen in nachvollziehbare Einzelschritte zerlegende Ratio. Es ist wie ein politisches Zweikammersystem, in dem es auch Differenzbereinigungsverfahren gibt, wenn die beiden Ansätze bzw. Kammern nicht zum gleichen Schluss kommen. Mit der Zeit balanciert sich die Lösungsfindung individuell, aber auch kollektiv aus. Mein Antrag geht nun dahin, dass die Kommunikationslinguistik nicht warten sollte, bis ihr die Werbewirtschaft mit ihrer immer ökonomisch gefärbten Brille das Dossier entreisst und ohne den wissenschaftlichen Grundlagenanspruch realisiert, sondern bereits heute schon das begriffliche und methodische Instrumentarium zu schaffen für die rational-suprarationale Strukturierung multimodaler Kommunikation. Dann besteht nicht nur die Chance, dass die Wirtschaft das von der Wissenschaft Bereitgestellte auch nutzt, sondern sogar die Chance, dass die Kommunikation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch diejenige unter den verschiedenen Wissenschafts-Disziplinen, markant verbessert wird.

3.3.         Struktur multimodaler Kommunikation

In gesprächsanalytischen Texten ist oft von ‚Sequenzialität‘, von der ‚Sichtbarmachung der Herstellung eines geregelten Nacheinanders‘[45] und von ‚geordnetem Vollzug interaktiver Ordnung‘[46] die Rede. Bei der Multimodalität wird die – auch von Hausendorf kritisch hinterfragte[47] – strukturalistische Reduktion auf ein stabiles Ordnungsgefüge noch fragwürdiger. Minimal muss zur Erfassung und zum Nachvollzug multimodaler Kommunikation eine sowohl synchrone wie diachrone Struktur implementiert werden, wie ich sie unter 2.3. und 2.7. mit der Idee multimodaler Partituren skizziere. Am schwierigsten sind m.E. suprarationale Aspekte wie der energetische Modus in einen strukturellen Rahmen zu zwingen, da sie sich als genuin immaterielle Ereignisse naturgemäss nur indirekt in der Qualität der anderen Modi manifestieren. Aber immerhin kann die komplexe Partiturform, die analog einem Filmdrehbuch oder einer Opern- und Ballettpartitur mehrere gleichzeitig ablaufende Prozesse in ihrer Überlagerung und Sequenzialität spiegelt, die Produktion energetischer Kommunikation anweisen bzw. rezeptiv festhalten unter Benutzung der Ausdrucksformen aller anderen Modi. So kann eine Struktur gewonnen werden, die auch den nicht aller Modi mächtigen Rezipienten zumindest ahnen lässt, was alles abläuft bzw. ablaufen könnte.

3.4.         Multimodale Kommunikationslinguistik als Grundlagendisziplin

Eine in diesem Sinne multimodale Kommunikationswissenschaft kann – so meine These – zu einer Grundlagendisziplin für alle anderen Wissenschaften werden, denn wenn jede Wahrnehmungsverarbeitung ein kommunikativer Akt ist, so ist dies der alle Wissenschaften übergreifende grundlegende Prozess. Wenn es der jungen Disziplin gelingt, die gemeinsamen Strukturen der multimodalen Wahrnehmungsverarbeitungsakte herauszuarbeiten und ein allgemein verständliches begriffliches und methodisches Instrumentarium zur Verfügung zu stellen, kann sie zum Referenzpunkt für alle anderen Geistes- und Naturwissenschaften werden. Denn letztlich sind z.B. alle Wissenschaften mehr oder weniger stark mit der Problematik der Unzuverlässigkeit und Polysemie von Verbalsprache und dem dahinter liegenden Problem der Anthropozentrizität konfrontiert. Und in allen Wissenschaften zeigt sich immer wieder die Wichtigkeit suprarationaler Kompetenzen bei den grossen Entdeckungen, Paradigmenwechseln und Entwicklungsschüben. Auch die Multimodalität ist überall ein Thema, denn genau besehen wird nirgends monomodal kommuniziert, nicht einmal in der Mathematik. Nur schon das oft strenggläubige Festhalten an den Axiomen eines Wissenschaftsmodells zeigt sich meist multimodal und ist zutiefst suprarational: es ist das intuitiv benötigte Gefühl der Sicherheit, das hinter dem oft erstaunlich fundamentalistischen Festkrallen an Axiomen steckt, sogar an solchen, die von Nachbardisziplinen längst hinterfragt, relativiert oder sogar als überholt bezeichnet und marginalisiert wurden. Oft wird sogar ausgeblendet, dass es sich auch bei der ‚eigenen‘ Wissenschaftsdisziplin um ein Modell handelt, das auf den tönernen Füssen axiomatischer, also nicht weiter hinterfragter Setzungen beruht und nicht etwa auf den ehernen einer – längst verabschiedeten – ‚absoluten Wahrheit‘. Meines Erachtens empfiehlt sich ein gelassenes Prüfen der Instrumente, des methodischen Bestecks, mit dem man der Multimodalität und der von ihr geforderten Zulassung der Suprarationalität zu Leibe rücken kann.

3.5.         Instrumente und Methoden

Der Wissenschaftler hat die Wahl, entweder bei seinem streng rationalen Instrumentarium zu bleiben und den ganzen Rest entweder für inexistent, wissenschaftlich irrelevant oder nicht zugänglich zu bezeichnen – oder sich ein entsprechendes Instrumentarium zu schaffen. Für die Kommunikationslinguistik scheint mir Letzteres unabdingbar, da sonst zumindest die multimediale Kommunikation nicht befriedigend erforscht werden kann. So ist zum Beispiel das tiefere Wesen und die Wirkung der Musik als bis heute wesentlicher kommunikativer Austauschform rational so wenig erklärbar wie die Wirkung von Kunst, von Düften, haptischen und gustatorischen Phänomenen. Am hilflosesten ist die Rationalität aber immer dort, wo höhere Liebesformen[48] ins Spiel kommen, da hier die Absenz von Kausalität und Konditionalität geradezu als Gütezeichen, als Qualitätsmerkmal fungiert. Rationalität ist aber – zumindest in ihrer modisch-aktuell ‚reinen Form‘ der modernen Logik – völlig fixiert auf konditional verpackte Kausalbezüge, was den Zugang zu den ‚höheren Liebesformen‘ verbaut, die unter dem Aspekt der multimodalen Kommunikation wissenschaftlich durchaus relevant wären.

Wenn wirtschaftliche oder politische Interessen ins Spiel kommen, stellen sich solche Fragen nach der Beschränkung der Herangehensweisen in der Regel gar nicht. So haben Wirtschaft und Politik schon immer auch auf der Klaviatur derjenigen Instrumente gespielt, die reiner Rationalität nicht oder schlecht zugänglich sind. Wie in der praktischen Medizin wird primär auf die Wirkung eines Instrumentes, einer Massnahme abgestellt und erst sekundär auf deren rationale Begründbarkeit.

3.6.         Messbarkeitsansätze

Die simpelste Quantifizierungsmethode ist die Erhebung und statistische Auswertung von manifestierten Wirkungen und als Korrelat dazu die Qualifizierung der Wirkungen anhand von Befragungen. Der Vorteil dieser Methoden ist, dass sie auch von Entitäten ausgeführt werden können, die selbst mangels physischer, psychischer oder geistig-seelischer Disposition nur ganz beschränkt oder völlig unerreichbar sind für die Wirkungen, die sie untersuchen. So kann sowohl ein Taubstummer, ein Unmusikalischer, aber auch ein völlig auf Rationalität reduzierter Wissenschaftler eine Erhebung über die Wirkung bestimmter Musikprogramme auf bestimmte Zielpublikumssegmente durchführen. Mich interessieren aber auch Instrumente, für die die Ausbildung von über die Ratio hinausgehenden Fähigkeiten Voraussetzung ist.

Vor rund 20 Jahren behauptete ich vor dem ausschliesslich männlich besetzten Top-Kader eines Versicherungskonzerns, dass der Tag kommen werde, an dem ein CEO nach der Präsentation aller Zahlen, die für eine Übernahme eines Konkurrenten sprächen, in etwa Folgendes sagen könnte: „Das mag alles stimmen, aber ich habe bezüglich dieses Unternehmens ein flaues Gefühl, ich traue den Zahlen nicht, ich habe keine konkrete kausale Begründung dafür, aber ich bin mir meines Gefühls so sicher, dass ich dieses Projekt ablehne.“ Als ich dann noch anfügte, dieser CEO werde mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Frau sein, wurde ich ausgelacht und als etwas komischer Kauz nach Hause geschickt. Unterdessen sind solche Situationen nicht gerade an der Tagesordnung, aber sie kommen durchaus vor. Suprarationalität hat in der Wirtschaft an Akzeptanz gewonnen, aber damit ist auch der Schrei nach ihrer Messbarkeit vernehmlicher geworden. Denn solange das Primat der Ratio über die Supraratio noch gilt, ist die Messbarkeit Voraussetzung für die Akzeptanz. Erst mit der Akzeptanz wird die Messbarkeit an Bedeutung verlieren. Ich möchte deshalb kurz zwei Messbarkeitsansätze skizzieren:

  • Bovismetrie: In der Geomantie und Radiästhesie wird versucht, die unterschiedliche Ausstrahlung von Orten, Plätzen, Gebäuden, Landschaften zu messen. Der Umgang mit dem Pendel als Messinstrument ist einerseits eine Frage des Talents, der mitgebrachten Sensibilität und damit vergleichbar mit Musikalität, andererseits durchaus auch lern- und trainierbar. Auch hier kann das Mass der Lernbarkeit vielleicht am ehesten mit dem Trainieren musikalischer oder anderer künstlerischer Fertigkeiten verglichen werden. Da wie überall mit diesen Fähigkeiten auch Missbrauch betrieben wurde und wird, insbesondere indem Leute Geld verlangen für angebotene Fähigkeiten, über die sie gar nicht verfügen und den Kunden in der Regel die Kompetenz fehlt, dies rechtzeitig festzustellen, hat die Bovismetrie bislang keine Akzeptanz in der Schulwissenschaft gefunden. Diese oder eine andere Art der Quantifizierung wird m. E. erst eine Chance haben, wenn suprarationale Kommunikation generell über grössere Akzeptanz verfügt. Diese Akzeptanz hat aber viel mit der Verbreitung, mit dem Training der entsprechenden Fähigkeiten zu tun – ein kleiner Teufelskreis.
  • Individuelle Quantifizierbarkeitskompetenz: Je nach Kultur und Zeitparadigma gehören suprarationale Fähigkeiten wie Musikalität, malerische oder sonst künstlerische Begabungen durchaus zum Lehrstoff; auch der Umgang mit Emotionen und die Ausbildung sozialer Kompetenz gehört zu gewissen Lehrgängen vor allem bei pädagogischen und medizinisch-therapeutischen Berufen. Je mehr solche Fähigkeiten auch als ökonomisch relevant eingestuft werden, desto besser die Chancen, dass sich eine diesbezügliche Lehr-, Lern- und Trainingskultur ausbreitet. Es ist durchaus eine gesellschaftliche Entwicklung vorstellbar, die die Ausbildung suprarationaler Kompetenzen mit gleichem Nachdruck promoviert wie diejenige rationaler Fähigkeiten. Mit dem Erwerb einer Kompetenz wächst aber auch immer das kritische Beurteilungsvermögen und damit auch eine Form von Quantifizierbarkeit. Auch wenn der erfahrene Musikpädagoge die Musikalität seines Schülers vielleicht nicht in Zahlen ausdrückt, so liegt eine Quantifizierung doch implizit spätestens in der Selektionsentscheidung, falls eine solche fällig wird wie dies bei elitären Ausbildungsstätten immer der Fall ist. Selektion, Priorisierung, Hierarchisierung sind immer auch Quantifizierungen, auch wenn sie sich auf Phänomene wie ’suprarationales Talent‘ beziehen. Dass dieser Messbarkeitsansatz bereits eine gewisse Bedeutung gewonnen hat, lässt sich wiederum mit der vertraut-rationalen statistischen Methode belegen und überprüfen. So haben die Kurse, Seminare und Workshops mit entsprechenden Angeboten wie ‚Charisma-Training‘, ‚Auftritt und Rhetorik‘, ‚Führung und Motivation‘, ‚Optimieren Sie Ihre Ausstrahlung‘ etc. durchaus Konjunktur und werden auch von Top-Kadern belegt. Auch die Ausbildung rund um die Thematik des Krisenmanagements beinhaltet Training energetischer Kommunikation und damit suprarationaler Fähigkeiten.

Kritische Würdigung und Ausblick

Ist es gelungen, die These von der Omnipräsenz der Multimodalität und der für ihre Erforschung benötigten Suprarationalität zu plausibilisieren in dieser Arbeit? Ich bezweifle es. Vielleicht gelang mit der Modell-Skizze ein Denkanstoss, aber für eine nachhaltige Wirkung müsste der Anstoss aus berufenerem Munde kommen. Zu unbescheiden ist wohl der Anspruch, an den seit Jahrhunderten festgefahrenen Mauern des Selbstverständnisses der Schulwissenschaft rütteln zu wollen. Wenn man nur schon bedenkt, wie minim die interdisziplinäre Durchlässigkeit ist, was sich unter anderem darin zeigt, dass kaum die Relativitätstheorie Einsteins, geschweige denn die Quantenphysik der letzten hundert Jahre von den Geisteswissenschaften rezipiert wurde, ja dass die Relativierung des Newton’schen Weltbildes noch kaum bis in die Schulstuben gedrungen ist. Es wird sich zeigen, wie kompetenzfreudig sich die vergleichsweise junge Gesprächslinguistik darum reisst, zur multimodalen Kommunikationslinguistik zu mutieren und sich um die seit längerem verwaiste Stellung einer vieles vernetzenden Grundlagendisziplin zu bewerben, falls überhaupt irgend einer ihrer Vertreter die Dinge ähnlich zu sehen beliebt, wie ich sie hier darstelle. Zu weit, zu ausufernd ist wohl die Sicht und zu stark das Bedürfnis nach dem sicheren Hafen einer klar eingeordneten und axiomatisch abgesteckten Disziplin, die sich selbst nicht zu hinterfragen braucht. Ich bin mir auch bewusst, dass die in der These versprochenen Vorschläge zur Erarbeitung eines begrifflichen und methodischen Instrumentariums sehr skizzenhaft sind. Eine Vertiefung wäre zwingend, auch um die Hauptthese zu plausibilisieren. Als notorischer Optimist sehe ich allerdings vergnüglich in die Zukunft. Ich meine, doch einige Anzeichen für einen hübschen Paradigmawechsel grösseren Ausmasses wahrzunehmen, der langsam, aber unaufhaltsam wegführt von der Absolutsetzung von Materie, Ratio, Kausalität, Ökonomie und Linearität, hin zu Relativierung und Vernetzung von Materie mit dem Immateriellen, der Ratio mit dem Suprarationalen, der Kausalität mit Verknüpfungen wie Analogie, Dialogie und Polylogie, der utilitaristischen Ökonomie mit ökologischer, nachhaltiger Achtsamkeit, der Linearität mit der Sinuskurve. Dieser Paradigmawechsel wird von vereinzelten, geistig, gesellschaftlich und materiell weitgehend unabhängigen Forschern promoviert – und irgendwann auch die konservativeren Bastionen der Wissensverwaltung erfassen.

Literaturverzeichnis

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e-published: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/7/7550/1.html ; Stand 19.2.2008


[1] Bereits Watzlawick postulierte einen weiten Kommunikationsbegriff („Die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren“; Watzlawick et al.: Menschliche Kommunikation. S.50), blieb aber grundsätzlich im Bereich menschlichen Verhaltens. Mein Postulat geht viel weiter, wenn ich jegliche Wahrnehmung als Kommunikation auffasse.

[2] Im Sinne der ‚Frame and Script‘-Theorie, Linke et al.: Studienbuch Linguistik S.265ff.; aber auch im Sinne der ‚Kontextualisierung‘, wie sie von Hausendorf beschrieben wird in „Was kommt als Nächstes?“ Fokussierungen revisited. S.232f.

[3] Meier. Glück. Strub-Verlag. Kreuzlingen 2005

[4] Z.B. Anton Zeilinger im Interview vom 7.5.2001 mit Andrea Naica-Loebell: „Es stellt sich letztlich heraus, dass Information ein wesentlicher Grundbaustein der Welt ist“ e-published: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/7/7550/1.html

[5] Bruce H. Lipton. Intelligente Zellen. Insbesondere S. 121ff.

[6] Arnulf Deppermann, Reinhold Schmitt: Koordination. Zur Begründung eines neuen Forschungsgegenstandes. S.15; Peter Auer. Sprachliche Interaktion.

[7] Heiko Hausendorf: Die Prozessualität des Gesprächs als Dreh- und Angelpunkt der linguistischen Gesprächsforschung. S.12

[8] Wenn man mit Interaktion eine Handlung, ein konkretes, sich in der Materie manifestierendes, äusserliches, körperliches Tun meint, ist mir der Begriff zu eng. Wobei ja auch hier die Grenzen durchlässiger werden: diejenige zwischen (von aussen, ohne entsprechende Geräte) unsichtbarem Denken und für Sehende sichtbarem körperlichem Handeln hat sich aufgelöst, da die Neurowissenschaft heute jeden Gedanken als elektrischen Impuls sichtbar, messbar machen kann. So wird ‚denken‘ genau so ‚körperliches handeln‘ wie ‚hämmern‘.) Dazu kommt, dass ‚Aktion‘ ‚agieren‘, ‚aktivsein‘ suggeriert – und mir geht es bei der Kommunikation auch um den passiven Modus, um das Verbundensein ohne Aktivität, um das Zulassen, Geschehenlassen von Vernetztheit, von multimodalem Erreichtwerden in einem Zustand der Offenheit, nicht des angestrengten ‚Zuhörens‘, nicht ein Tun im Sinne eines fokussiert auf einem bestimmten Kanal etwas Erwartens.

[9] Nicht zuletzt auch wegen der leichten Übersetzbarkeit bzw. Ähnlichkeit in den wichtigsten wissenschaftlichen Fachsprachen der westlichen Welt. Im Unterschied dazu sind die Übersetzungen des Terms ‚Gespräch‘ bereits im Englischen und Französischen problematisch: sowohl discourse wie discours sind z.B. teils von markanten philosophischen Theorien ‚besetzte‘ Begriffe.

[10] Heiko Hausendorf: Die Prozessualität des Gesprächs als Dreh- und Angelpunkt der linguistischen Gesprächsforschung. S.12

[11] Am besten lässt sich dies bei Kommunikationsschienen wie dem Telefon oder dem Internet zeigen: potenziell sind wir permanent mit allen Angeschlossenen bzw. ‚usern‘ der Welt in Verbindung, aber wir sind uns nur eines kleinen Teils bewusst und aktivieren fallweise einen winzigen Ausschnitt dieses bewussten Teils (abgesehen von den wenigen Ausnahmen, wo wir ‚wahllos wählen‘).

[12] Ich halte die Wahrnehmungswahrnehmung für einen zuerst einmal inneren Prozess, der sich allerdings mehr oder weniger explizit, mit geringerer oder grösserer ‚Dringlichkeit‘ im Aussen manifestieren kann. Vgl. Hausendorf: „Was kommt als Nächstes?“ Fokussierungen revisited. S.235f. Die Wahrnehmungswahrnehmung ist m.E. auch weit über die soziale Zuordnung hinaus relevant und berührt den Bereich der energetischen Kommunikation (unten 2.8.).

[13] Damit ist auch eine klare Abgrenzung vom hier postulierten Kommunikationsbegriff zum Begriff des ‚Gesprächs‘ im Sinne der aktuellen Gesprächslinguistik gegeben, wie er z.B. von Hausendorf promoviert wird: Hausendorf: Die Prozessualität des Gesprächs als Dreh- und Angelpunkt der linguistischen Gesprächsforschung. S.11

[14] Eine Stradivari ist für den Materialisten alter Schule zuerst einmal einfach ein Stück ausgehöhltes Holz, bespannt mit ein paar verschieden dicken ‚Drähten‘. Wenn der Inkompetente daran herumzupft, mag es ein paar Geräusche geben, aber die Stradivari verweigert sich, bleibt stumpf, passiv; erst wenn der oder die Kompetente das Instrument zur Hand nimmt, kann auditive Kommunikation von einem hohen Einmaligkeitsgrad, von hoher Individualität und grosser Aussagekraft entstehen, wie sie ohne dieses Instrument, ohne die Gemeinschaft, den Austausch der beiden daran Beteiligten nicht herstellbar ist. Damit sind die Kriterien des ‚communis facere‘, der Kommunikation erfüllt. Befragt man die mit einem solchen Instrument Kommunizierende nach ihrem wichtigsten Kommunikationspartner, so ist die wahrscheinlichste Antwort „meine Geige“, mit der sie täglich viele Stunden kommuniziert. Die Antworten des Instrumentes sind zwar nicht verbalsprachlich, aber durchaus multimodal: auditiv, optisch, haptisch und sogar olfaktorisch – und ganz gewiss energetisch.

[15]a.a.O.

[16] Heraklit. Fragment B 49a.

[17] Je nach kommunikativer Aufgabe kann einer duftenden Rose eine zentrale Bedeutung bei der Lösung zukommen. Geht es umgekehrt darum, in der Kommunikation mit potenziellen Drogenschmugglern einen Fortschritt in der Kommunikationsbereitschaft zu erzielen, wird gerne auf die im Vergleich zum Menschen nahezu tausendfach besseren Riechorgane von Hunden vertraut.

[18] Hier kann ich mit eigenen Experimenten aus drei Jahrzehnten aufwarten; aber auch auf das Buch ‚Der siebte Sinn der Tiere‘ des US-amerikanischen Biologen Rupert Sheldrake verweisen.

[19] z.B. die ‚intelligenten Zellen‘ im gleichnamigen Buch des US-amerikanischen Epigenetikers Bruce H. Lipton, die aufgrund von Aussenreizen den Proteinmantel um den genetischen Code anheben oder nicht anheben

[20] z.B. die synchron verschränkten Elektronen in quantenphysikalischen Experimenten

[21] Meier: Binarität, Kausalität, Wertung, Absolutsetzung – Fallen menschlicher Wahrnehmungsverarbeitung; S.15ff

[22] Es ist möglich, höheren Säugetieren eine gewisse Anzahl von Wörtern aus menschlichen Verbalsprachen so beizubringen, dass ein regelmässiges Reiz-Reaktionsmuster abrufbar wird.

[23] Z.B. die verkürzte ‚Rufsprache‘ mit vielen Interjektionen und Injektiven, wie sie bei aus anderen Sprachräumen Zugezogenen beobachtet werden kann, die fast ohne syntaktische Struktur auskommt und sich nur wenig von verbalsprachlicher Kommunikation mit höheren Säugetieren unterscheidet.

[24] Differenziert zur Prozessualität der Prosodie Couper-Kuhlen: Prosodische Prospektion und Retrospektion im Gespräch.

[25] Dies im Gegensatz zur verallgemeinernden Behauptung von Couper-Kuhlen, das Gedächtnis für die prosodische Form sei wesentlich begrenzter als für den Inhalt einer Äusserung (Prosodische Prospektion und Retrospektion im Gespräch. S.71)

[26] Heiko Hausendorf: „Was kommt als Nächstes?“ Fokussierungen revisited. S.234

[27] Linke et al.: Studienbuch Linguistik S.265ff.

[28] GAT. Siehe Margret Selting et al.: „Gesprächsanalytische Transkriptionssysteme“ aus den Linguistischen Berichten 173, 1998, S. 91-122; e-published http://64.233.183.104/search?q=cache:Zbl6LIWf5SsJ:www.germanistik.uni-hannover.de/organisation/publikationen/GAT.shtml+Gespr%C3%A4chsanalytisches+Transkriptionssystem&hl=de&ct=clnk&cd=2&gl=ch ; 19.2.2008; und Linke et al.: Studienbuch Linguistik S.333f

[29] man denke z.B. an Schachcomputer und generell an Computerspiele

[30] Anton Zeilinger im Interview vom 7.5.2001 mit Andrea Naica-Loebell: „Es stellt sich letztlich heraus, dass Information ein wesentlicher Grundbaustein der Welt ist“ e-published: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/7/7550/1.html

[31] Quantenphysikalische Phänomene wie die verschränkten Elektronen entziehen sich der Erklärung durch kausale Denkmuster so gut wie aus anderen Kulturen stammende medizinische Ansätze wie z.B. die Akupunktur.

[32] vermutlich bereits im 3. Jahrtausend v.Chr. in Ägypten; dokumentiert im 7. Jhdt. v.Chr. in Griechenland

[33] Eine Analogie dazu kann man in den Plänen von Architekten oder Ingenieuren sehen, aber auch in den Skizzen zu Gemälden, den Entwürfen zu Plakaten oder Werbetexten, alles mehr oder weniger abstrakte Vorstufen zu aufwändigen Realisierungen, die aber bereits eine konkretere Kommunikation über die Ideen erlauben, als wenn diese nur als Gedanken oder als mündlich-verbale Äusserungen existieren.

[34] Ultraschallfrequenzen über ca. 16-18000 Hertz sind nicht mehr hörbar für den Menschen, aber sehr wohl z.B. für den Hund (Hundepfeife)

[35] Theoretisch könnte man zu den rein optischen Kunstformen auch den Stummfilm zählen, aber in praxi werden Stummfilme meist mit musikalischer Untermalung gezeigt.

[36] Schnecken sehen bis zu 7 Bilder pro Sekunde als Film, beim Menschen liegt die untere Grenze bei 18 Bildern pro Sekunde

[37] Die lexikalisierte Metapher des ‚Begreifens‘ zeigt den kommunikativen Ursprung des Haptischen: das Ergreifen und Betasten mit den Händen als Voraussetzung für den geistigen Prozess der Erkenntnis und des Verständnisses.

[38] Ein auch wissenschaftlich untersuchtes Beispiel dafür ist die im Vergleich zu Sehenden markant erhöhten haptischen und auditiven Kompetenzen Blinder.

[39] die optische Inspektion, die haptische Palpation, haptisch-auditives Abklopfen und Auskultation sowie die olfaktorische Prüfung der Ausatemluft als Elemente der klassischen klinischen Untersuchung, allerdings sind es mehrere dicht hintereinander gestaffelte Kommunikationsprozesse

[40] In den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde ein Militärexperte in Zürich Ordinarius für Kriegsgeschichte. Die 68-er Studenten protestierten wild dagegen, unter anderem mit dem schlagenden Argument: „Wir wollen gar nichts hören über Kriegsgeschichte!“ – Die Haltung der Schulwissenschaft gegenüber Suprarationalem scheint mir nicht unähnlich zu sein. Nur dort, wo wirtschaftlicher Druck ausgeübt wird, passt sich die Schulwissenschaft an, wenn auch unter Knurren und Wehklagen. Als die Schulmedizin in den letzten Jahrzehnten merkte, wie die chinesische Medizin, insbesondere die Akupunktur, aber auch Ansätze wie die Homöopathie immer mehr ‚Patientengut‘ eroberte, begannen sie sich selbst auch damit auseinander zu setzen. Knurrend, weil diese Ansätze das westliche Denken mit der Vorstellung eines kausal geschlossenen Universums sprengten und sie doch die Erfolge dieser kausal nicht erklärbaren Therapien nicht von der Hand weisen konnten. Inzwischen haben sich die Ereignisse überschlagen und die Quantenphysik hat die hübsche Vorstellung von der kausalen Geschlossenheit bereits auf den Müll veralteter Theorien spediert.

[41] Quantität ist Haben, Qualität ist Sein. ‚Chronos‘, der quantitative Aspekt von Zeit, gehört so gesehen zum Bereich des Habens. Man hat Zeit. Aber wenn man ist, wird der quantitative Aspekt der Zeit, ihr Ablaufen, ihre Prozessualität ausgeblendet. Sein ist Zeitqualität (im Altgriechischen: kairos). Wenn wir ’sind‘, sind wir dies nicht im quantifizierbaren, messbaren Ablauf von Zeit, sondern im Jetzt, in der Gegenwart, in der reinen Präsenz. Dies ist eine bewusste Gegenposition zu Heidegger, der ‚Sein‘ prozessual verstand.( ‚Sein zum Tode hin‘).

[42] Jürgen Streeck: Geste und verstreichende Zeit: Innehalten und Bedeutungswandel der „bietenden Hand“.

[43] Frühere, weniger materialistische und körpervergötternde Kulturen kannten allerdings auch eine indirekte Proportionalität zwischen äusserer Blindheit und inneren Sehergaben, was dazu führte, dass ein ‚blinder Seher‘ nicht als bemitleidenswerter Behinderter galt, sondern als ‚Weiser‘ hohes Ansehen genoss.

[44] ‚Vermeintlich‘ sage ich, weil nach dem heutigen Stand der Quantenphysik die Trennlinie zwischen Materie und Energie aufgebrochen ist. Eigentlich geht die Aufweichung des Unterschieds zwischen materiellem Teilchen und immaterieller Welle sogar auf die Experimente mit dem Licht vor bald hundert Jahren zurück, die zeigten, dass Licht eine ‚Doppelnatur‘ hat und sich, je nachdem, wie man das Experiment anordnete, einmal als Welle, einmal als Teilchen zeigte. Heute lautet die These des Wiener Quantenphysikers Anton Zeilinger, dass das Universum aus Information bestehe, die sich als Energie manifestiere.

[45] Hausendorf: Die Prozessualität des Gesprächs als Dreh- und Angelpunkt der linguistischen Gesprächsforschung. S.14

[46] Arnulf Deppermann, Reinhold Schmitt: Koordination. Zur Begründung eines neuen Forschungsgegenstandes, S.16ff

[47] Hausendorf: Die Prozessualität des Gesprächs als Dreh- und Angelpunkt der linguistischen Gesprächsforschung. S.14f.

[48] Kriterium für die Einteilung in tiefere Liebesformen wir Libido und Eros und höhere wie Philia und Agape ist das Mass der Begründbarkeit, der Selektion und des Verfügungsanspruchs. Siehe auch Meier, Glück, S. 574f.

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