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2018 schrieb ich ‚Abschied von der Generation Opfer‘, 2022 etwas schmunzelnder ‚Ins Bett mit der Generation Schneeflöckli‘ – mit dem leisen Unterton ‚Hopp ins Bett!‘ (am liebsten ‚Ohne Znacht!‘) und sammelte darin locker eine Selektion von 28 deutlichen Dekadenzzeichen. Ich bin aber ein unverwüstlicher Fan der Sinuskurve, die bereits meinen unzeitgemäss fetten Wälzer von 2005 über das Glück zierte:

Wie man sieht, findet sich die Sinuskurve überall, auch an wohlgeformten female bodies… Und natürlich auch in gesellschaftlichen Entwicklungen. Da das Schneeflöckli-Buch bereits vergriffen ist, werde ich ausgewählte Passagen in homöopathischen Dosen auf diesem Blog publizieren. Auch wenn wir weder die Frequenz noch die Amplitude der Sinuskurve kennen, deren Tiefpunkt ich gern mit dem modischen Begriff des Wokeismus illustrieren möchte, um nicht all die herrlichen, darin verpackten Dekadenzzeichen aufzählen zu müssen, so bin ich doch der optimistischen Überzeugung, dass es ‚ab sehr bald‘ wieder ‚obsi‘ geht oder ‚embrüf‘, wie die Walliser sagen. Vielleicht kommt es noch zum Erschiessen aller weissen Schwäne und des Verbots des weissen Schnees, weil diese rassistisch-kolonialistisch-patriarchale Weissheit bei Minderheiten Unwohlbefinden auslösen könnte, aber dann, seid gewiss, ist bestimmt ‚fertig lustig‘. Die Uni Birmingham schafft gerade die Prüfungen ab, weil sie einfach typisch weisser Scheiss seien und die rassistische Mehrheit mit der gewünschten, einseitig weissen Intelligenz bevorteilten. Es hat irgendwie etwas Rührendes und entbehrt nicht der Ironie, wenn die Wokeis damit selbst sagen, dass sie dumm – zumindest dümmer als der Rest der Menschheit – seien. Am lustigsten ist es, wenn weisse Wokeis gegen das Weisssein wettern und die Nichtweissen generell für dümmer erklären – ein Blödsinn, der Nichtwokeis nicht einmal im Suff in den Sinn käme. Aber das nährt die besagte Hoffnung, dass es bäldiglichstens obsi geht und sich die Wokeis, wie empfohlen, mit den Schneeflöcklis ins schmelzende Bettli legen.

Hier mal ein ‚amuse-bouche‘, das ihr euch selbstverständlich jederzeit von KI zusammenfassen lassen könnt:

HOMMAGE AN DEN WOKEN ZEITGEIST

Erstmals seit Fred Feuerstein ist der Zeitgeist gar kein Geist mehr, sondern nur noch ein Gefühl. Das Gefühl des Unwohlseins, des Beleidigtseins, des Herzlischmerzlis, der Dauererregung, der Lust am Opfersein und der Unlust auf Verantwortung, das prickelnde Gefühl, die allerletzte Endzeit vor dem nahenden, unausweichlichen Weltuntergang mitzuerleben und als mitfühlende Heldin mit der unzweifelhaft als richtig erfühlten Gesinnung unterzugehen.

Vor Zartgestrickten fernhalten!

Die folgenden Texte könnten die hochsensitiven Teilnehmer der Opfer-Olympiade, die empathisch schmelzenden Schneeflöckchen, die ihr Leben Klebenden, aber auch die ganz gewöhnlichen Weicheier, kurz alle Zeitgenossinnen mit den deprofeuchten Mattaugen, in Richtung Suizid nudgen, die strammen Aktivisten, Wokeisten, Känzelkulturisten, Antifa-Rassisten, beim Sprechen Sterne rülpsenden Genderhysterikerinnen, wutschnorchelnden Sprachzensoren, No-Platformer, Bilderverkleckser, auf Kunstschätze Pinkler, kurz, alle die mit den glühenden Augen der Kehlendurchschneiderlein hinwiederum eher in Richtung Homizid rutschen lassen. Aber da es der liebe Zeitgeist, der ja eben ein Gefühl ist, mit der Übersterblichkeit nicht so genau nimmt, kann man diese Warnung auch in den Wind schlagen. Denn Wind, das sagt uns das sonnige Gefühl, ist gut. Wie Sonne ja auch. He, wir schaffen das! Fühlt ihr es auch?

Elend, wenn schon der Titel nach Falle riecht. Ist das nun eine Einladung, sich behutsam mit den zarten, sensiblen, wohlmeinenden, weltrettenden Schneeflöckchen ins Bett zu legen? Sich mit den unter der Decke Dahinschmelzenden inniglich zu vereinen? Oder ist es der ebenso gut gemeinte Hinweis der Eltern an die windel- und pickel-tragenden Kinderleins, es sei nun genug gegamet, und sie sollten nun bitte ‘ab ins Bett’?

     Vielleicht hilft der Untertitel: Empörung statt Argumente? Oder die ‘Warnung ’? Da scheint jemand doch tatsächlich wider den Zeitgeist anzublöken, ihn gar pejorativ als blosses ‘Gefühl’ zu verhunzen und die endlich gewonnene wahre, richtige und einzige Gesinnung, die ja nun wirklich weitere Argumentiererei überflüssig macht, zu verspotten: was für ein zu beshitstormender Fakenewsverschwörungsleugneridiot! Gebt dem keine Plattform, stampft das Buch ein, schützt eure Kinder!

     Wie wenn diese unsensible Attacke gegen die Gefühlselite, die eine bisher nie gekannte Gottnähe der intuitiv-emotional erspürten absoluten Wahrheit erschuf, nicht schon genug der Beelzebuberei wäre, wird in diesem Pamphlet auch noch die Jahrhundert-Errungenschaft des totalen Wohlfahrtsstaats, der bis in die letzten Verästelungen reichenden Care-Gesellschaft, in der alle Insassen auch zartfühlend vor sich selbst geschützt werden, in Frage gestellt! Jetzt, wo wir endlich alles dem Wohl des Kollektivs unterzuordnen bereit und der Endlösung des Individuums nahe sind, des einzelnen machtgierigen, systemisch rassistischen weissen Macho-Patriarchen mit seinem ewiggestrigen, egomanischen Anspruch auf persönliche Freiheit, die ja nur zum Untergang des Planeten geführt hat, den wir, wenn wir uns doch nur weltweit alle am Händchen halten und das CO2-Ausatmen aufgeben würden, gerade noch vielleicht ganz knapp verhindern könnten?

Derselbe Unhold fordert zudem mehr von der endlich überwunden geglaubten Riskiererei, die doch nur verbunden ist mit Unsicherheit, mit quälender Eigenverantwortung, mit schutz- und hilfloser Einsamkeit. Wer soll sich denn kümmern um all die leidenden Opfer, um die allen Diskriminierungen und seelischen Verletzungen schutzlos ausgesetzten Feinfühligen, um die schmählich aus der Gesellschaft ausgestossenen Gestrauchelten, die schuldlos kriminell Gewordenen? Und das jetzt, wo wir endlich soweit sind, dass auf das zarte Flügeln des sich unwohl fühlenden Schmetterlings rund um den Erdball endlich Rücksicht genommen wird? Jetzt, wo die Gemeinschaftsregeln endlich nach den Bedürfnissen der Empfindlichsten gemacht werden?

Und nun will dieser seelenlose Autor all diese wachen Engel der Neuzeit, diese im Chor von hundert Geschlechtern mit Kinderstimmen das Evangelium des Glücks aller Gleichen singenden und die Kindeskinder vor allem Herzeweh schützen wollenden Krieger des Friedens einfach zurück ins Bett schicken? Was für eine Anmassung, wo die wahren Träger der guten Gesinnung doch längst an allen Schaltstellen der neuen Weltordnung sitzen. Sie sind gross geworden, sitzen in Regierungen, Parlamenten, leiten Universitäten und Schulen, präsidieren Medien und Wirtschaftskonzerne – der jüngste Tag kann kommen, die Kinder reinen Herzens sind bereit für den Himmel, in den nur die Guten aufgenommen werden. Nicht die niederen Wesen, die nach Gütern, statt nach dem Guten trachten, denen der Sinn nach so unspirituellen Dingen wie Nahrung, Wohnstatt, Wärme, Arbeit und egomanischem Freisein steht. – Nochmals: Haltet euch und eure Kinder fern vor solch wüster Wörterei! Sonst müssen die Krieger des Friedens und der Gleichheit dann eben doch zu den Waffen greifen…

You’ve been warned!

Sollten Sie sich wider Erwarten trotz deutlichen Warnungen und der kaum verpackten  Drohung am Schluss trotzdem zur weiteren Schnupperei in diesem Machwerk entschliessen und damit möglicherweise einen der neuen Straftatbestände erfüllen wie ‘Delegitimation des Staates’, ‘Unterminierung der Staatssicherheit’, ‘Verrat an der Regierungsmeinung’, der ‘potenziellen Verbreitung von Fakenews’, die durch Faktenchecker des Wahrheitsministerium als solche erkannt wurden, oder der ‘Verunsicherung der völkischen Gemeinschaft durch die Aufnahme und damit potenzielle Streuung von Verschwörungstheorien’, so können wir für nichts mehr garantieren. Sie ahnen gar nicht, wie viele Straftatbestände täglich wie Pilze aus dem fruchtbaren Boden der Guten spriessen. Sie tun das nicht gern. Es ist nur – wie bei Marx – eine Übergangsphase, bis das Ungute überwunden ist. – Aber bitte: you’ve been warned.

Sokrates liebte und lehrte das Debattieren – mit Humor und Vielfalt der Meinungen zur stets vorläufigen Erkenntnis

Wozu Debatten?

Wozu denn Dialog und Debatten? Das fragen sich die wachen Engel, wo sie doch längst wissen, was gut, was schlecht, was richtig, was falsch ist. Nicht reden ist angesagt, it’s time to act! Und das tun sie. Fertig gewaltloses Beben, Verbindungen weben, nach Lebbarkeit streben mit wortreichem Schweben: sie kleben ihr Leben auf Asphalt, neben die Reben – man wird uns vergeben! Das Schlechte, das Falsche muss ausgemerzt, oder neudeutsch gecanceled werden. Das verlangt die Kultur. Dazu braucht es keine Gespräche, sondern Hämmer, Sägen, Saucen, mit denen man Falsches, falsch oder von Falschen Gemaltes zum Verschwinden bringen kann – und Verbote, die auch durchgesetzt werden. Ein Kinderspiel in Diktaturen, das versteht jeder. Man muss nun angesichts der Notlage einfach mehr Diktatur wagen, finden die Schneebälle und Eiszapfen, die Beschützer der  Schneeflöckchen.

Kampfansage an jede Form von Totalitarismus

‚Flintenuschi‘ gibt alles, um aus der EU das vierte Reich zu basteln – stolpert aber glücklicherweise bei jedem zweiten Schritt über ihre Arroganz und ist bereits angezählt.

Sie sind immer noch dabei? Na dann los. Was jetzt kommt, bitte nicht auf Facebook oder youtube raufladen. Es wird gelöscht, weil es den Standards der wachen Engel nicht entspricht. Man kann das nachvollziehen. Denn Menschen, die sich durch das vermutete Unwohlbefinden anderer lenken lassen, verweigern die Debatte nicht nur, weil sie unfähig sind dazu. Die ganz tief im Zeitgefühlsgeist Verankerten lehnen die Meinungsäusserungsfreiheit als ein verkapptes Machtinstrument der ‘Herrschenden’ ab, das nur der Einlullung der Massen diene, da letztlich ja die Herrschenden auch die Meinungskanäle, die Medien beherrschten. Zumindest früher. Eine durchaus originelle Volte, wenn sie von denen gemacht wird, die zurzeit schon vielerorts die Herrschenden sind, in Redaktionen, Behörden, Parlamenten. Die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und die Verweigerung der Debatte kann man sich dann leisten, wenn man über die Machtmittel verfügt, die Zensur wirksam durchzusetzen. Das ist heute bereits der Fall. So wird die Verweigerung der Debatte zum Schutz der Massen vor ‘Falschinformationen’. Und falsch, wen wundert’s, ist alles, was nicht der Meinung der Herrschenden entspricht. Ein weiterer Kriegsschauplatz, der immer zum totalitären Führungsstil eines Kollektivs gehört, ist die Indoktrinierung des Nachwuchses und die Umerziehung oder Ausgrenzung der renitenten Erwachsenen. Kritisches Denken wird gar nicht mehr gelehrt, da es ja auch nicht gelebt wird und sich damit als unnötig erweist. Man müsste aber selbständig denken wollen und können, wollte man denn tatsächlich eine Meinung äussern. Die Unwohlen, die Schneeflöckchen verfügen nur über unreflektierte Gefühle, Gesinnungen und Haltungen, die ihnen vermeintlich moralische Überlegenheit und den Status von ‘Gutmenschen’ verleihen, die sich nicht mehr in den Niederungen von uneinigen Debattierern zu tummeln brauchen. Auf der Gefühlsebene empfinde ich Empathie für sie, wie für alle dummen Menschen. Auf der politischen Ebene setze ich mich dafür ein, dass sie betreut leben dürfen, also vorläufig zurück ins Bettli geschickt werden, bis sie soweit sind, dass sie sich am demokratischen Wettstreit der Meinungen wieder beteiligen können und wollen.

In den feminisierten Gesellschaften der sozialen Wohlfahrtsstaaten Europas hat die von Sicherheitshysterie und Regulierungswahn getriebene, ideologisch tief im Kollektivismus verankerte Generation der Heimleiter des totalen Wohlfahrtsstaats die Schneeflöckchen, also die Daueropfer, die Unwohlen und die Weicheier grossgehätschelt, die nun zunehmend aktivistisch, fundamentalistisch und mit starkem Hang zum totalitären, totalen Staat ihr vermeintliches Recht auf garantiertes Wohlbefinden einfordern. Dass ihr Unwohlsein sie dabei jegliche Zartheit ablegen und zu allen Mitteln der hybriden Kriegsführung greifen lässt, entbehrt nicht der Ironie. Die von der doch so lieben Black-Lives-Matter-Bewegung in Brand gesteckten und zerstörten Strassenzüge in den USA, die von Cancel Kulturisten gesprengten Kulturdenkmäler und verschmierten Gemälde, die erfolgreich gelebte Intoleranz der No-Platformer und Universitäten-Säuberer, der die ganze Weltgeschichte zensurierenden ‘Woken’, der Kulturschaffende in den Ruin treibenden Identitären, die den Rassismus bis in den Friseursalon tragen und bei jeder Geierfeder auf dem Kopf ‘kulturelle Aneignung!’ schreien, die geforderte und bei erstaunlich vielen feig einknickenden öffentlichen Institutionen und privaten Unternehmen sofort realisierte aktive Sprachverhunzung durch das Sternchen-Gegörpse in jedem Nomen dank den vom Genderwahn Befallenen und den lieben LGBTQxyz-Aktivisten, die in den im Nudging-Stil staatlich promovierten Kitas die ausgewählten Leiterinnen anleiten, die Schützlinge zu ermuntern, ihre Finger bei sich und anderen doch in alle Körperöffnungen zu stecken, um rauszufinden, ob sie wirklich zur gestrigen, langweiligen, überholten Sorte der Nur-Büblein und Nur-Meitelis, oder vielleicht doch zu den edlen nonbinären ‘Es’lis gehören könnten – alle die und viele mehr, man denke nur an all die ‘GRÜNEN KHMER’ in den Regierungen und Parlamenten ehemals demokratischer Rechtsstaaten, die eine beeindruckende Machtfülle zur grossflächigen Erzwingung ihre Ideologie erreicht haben. Vielleicht ist  das Schneeflöckchen-Gehabe doch mehr Maskerade und Kulisse, hinter der mit stahlharten Eiszapfen gekämpft wird – trotz Klimaerwärmung.

Die gute Nachricht: die richtigen Schneeflocken bestehen auch zu 90% aus Luft…

AIDS auf Kollektivstufe

Doch es gibt natürlich die echten ‚human snowflakes‘, und die wecken fast mehr Besorgnis als die Gesinnungsterroristen hinter ihnen, die man mit den klassischen Mitteln der hybriden Kriegskunst ja auch wieder bekämpfen kann – wir sind dran. Diese Mittel sind aber wirkungslos bei den wahren Schneeflöckli, die so weich und zart sind, dass sie bei jeder Berührung schmelzen. Sie zeichnen sich aus durch ihre zwar grenzenlos dumm-naive, aber so liebe Gesinnung, dass man ihnen fast nicht böse sein kann, zumal man sie dann eh gleich in den Drogensuizid schöbe. Sie zelebrieren rührend ihre moralingetränkte Haltung, ihre immerwährende Gefühlspriorität, ihren ewigen Opferstatus, ihre völlig abwesende Bereitschaft zur Eigenverantwortung, ihren ausgeprägten Konsumismus, ihren digital ausgelebten Surrogatismus und ihre gar nie erwachte Verteidigungsbereitschaft. Ihre Immunschwäche entspricht AIDS auf Kollektivstufe.

Die sozialen Talfahrtsstaaten leisten sich mit den Schneeflöckchen einen täglich wachsenden, bereits heute eindrücklich hohen Prozentsatz an Insassen, die in einem Ernstfall zu nichts zu gebrauchen sind und sich auch im Normalfall nicht an der Debattenkultur der res publica beteiligen. Ihr Pazifismus ist unseres Erachtens eine schnucklige, aber der Erfahrung zutiefst widersprechende Einstellung. Solange es mehr als einen einzigen Menschen gibt, der seine Wahrnehmungsinterpretation für absolut richtig und davon abweichende für zu verbietende, zu tilgende hält, gibt es Anlass für Hass, Mord und Krieg – Phänomene, gegen die sich der Kluge wappnet wie der englische Gentleman mit seinem Schirm gegen den Regen. Nicht aus Panik, sondern ganz cool aus Einsicht und Erfahrung. Aber dieser sich mit dem schlanken, nur das Notwendigste regelnden Gemeinwesen identifizierende freie Bürger scheint akut vom Aussterben bedroht. An seine Stelle ist der schneeflockige Heiminsasse getreten, für den der Staat das grosse ‚Andere‘, der ‘Big Brother’ ist, der für alle Fürsorge – für das ‘Taking Care’ – verantwortlich ist. Die Heimleitung des ‘Nannystate’ ist ihm Religions-, Familien- und Partnerersatz; sie sind ihm Mutter und Vater zugleich, müssen ihn lebenslang in Windeln wickeln und versorgen, und er schuldet ihnen im Gegenzug Gehorsam. Die Nabelschnur wird dabei nie getrennt. Die Schneeflöckchen, die Unwohlen, die Daueropfer müssen angeleitet, geführt und geschützt werden durch die selbsternannte ‚Elite‘ im Nannystate, die weiss, was richtig ist für die Masse des für dumm gehaltenen Volkes. Die Last der Eigenverantwortung wird dem Heiminsassen von der Heimleitung für– und vorsorglich abgenommen. Der Insasse dankt, gibt sich vertrauensvoll der Heimleitung hin und merkt kaum, dass ihm Dinge, die er gar nie hatte, oder, wenn doch, ihm nichts bedeuteten wie Mündigkeit, Freiheit und Würde, ebenfalls abhanden gekommen sind. Dieses parareligiöse, etatistisch-kollektivistische, linksextreme Konzept basiert auf einem gespaltenen Menschenbild mit allwissender ‚Elite‘ auf der einen, führungsbedürftigem Volk auf der andern Seite und gleicht damit dem Konzept des ultrarechten Führerstaats: ‘les extrèmes se touchent!’

Rebalancierung von ‚CARE‘ und ‚RISK‘

Hauptsymptom für diese Entwicklung ist meines Erachtens die aktuelle Dysbalance zwischen Yin und Yang, zwischen Animus und Anima, zwischen ‚männlichen‘ und ‚weiblichen‘ Werten, zwischen ‚Taking Risk‘ und ‚Taking Care‘. Diese Werte-Dysbalance ist eines von vielen, miteinander verknüpften Dekadenzzeichenwie Gleichheitswahn, Sicherheitshysterie, Adelung der Angst, des Petzens und der Lüge, political correctness, Wokeness, Gender- und Klimahysterie, Konfliktfeindlichkeit, Niedergang der Meinungsvielfalt und des Humors etc.

Die Dekadenzzeichen des Familienzerfalls, der Abnahme von Zeugungswille und Zeugungsfähigkeit in Verbindung mit der Zunahme von Unfruchtbarkeit und Impotenz kann zu einem natürlichen und unblutigen Verschwinden dekadenter Gesellschaften führen.

Die Dekadenz unserer überalterten Kultur ist vielleicht unvermeidbar, aber zumindest noch etwas retardierbar, wenn sich die verbliebenen ‚Restmänner‘ und die toughen unter den Frauen vermehrt aktiv einsetzen für eineStärkung der Risk-Werte in den relevanten Bereichen der Pädagogik, der Geisteswissenschaften, der Medien und der Politik.

Viele Kinder lieben Indianerspiele – auch wenn die Woken Schnappatmung kriegen und „kulturelle Anmassung!“ krächzen

Eine dringende Aufgabe ist es aus meiner Sicht, den Nachwuchs zu ermutigen, sich auf direktdemokratischem Weg aus den Fesseln der konfliktfeindlichen Heimleitung zu befreien, alle entmündigenden Regeln zu hinterfragen und mit Entschiedenheit zurückzuweisen – und dem freiheitsein-schränkenden Wohlfahrtsstaat, der auf dem Weg ist, seine Selbstbestimmung aufzugeben, locker lächelnd den Fehdehandschuh hinzuschmeissen.

Optimismus ist trotzdem angesagt, denn es zeichnet sich am Horizont – zugegeben erst erahn- und noch nicht wirklich sichtbar – ein Silberstreif von wieder aufkeimender Freiheit, Eigenverantwortung und Lebenslust ab. Auch ein Blick in die Geschichte der letzten gut zweitausend Jahre zeigt, dass alle kollektivistischen, totalitären und diktatorischen Organisationsstrukturen jenseits des Ameisenstaates früher oder später gescheitert sind und sich der Drang nach individueller Freiheit nie langfristig unterdrücken liess. Deshalb heisst es im Titel ja auch ‘ab ins Bettli’mit den Schneeflöckchen.

Unzeitgemäss und provokativ?

Einiges ist vielleicht für in der Wolle gefärbte Aktivisten, altgediente Feministinnen, lieb-nette Jungpädagoginnen und modern-zart weinende, ihre ach so tiefen Gefühle öffentlich outende Männlein ein ganz wenig provokativ, zugegeben. Nun gilt es, die provocatio, wörtlich die ‚Herausrufung‘ so zu komponieren, dass sie das gewünschte Echo auslöst: Debatte, kultivierte Streitgespräche, bei denen mit guten Argumenten gefochten wird. Jeder Satz, jede These dieses Texts darf, ja soll hinterfragt, auf Stichhaltigkeit abgeklopft werden. Und jeder ist eingeladen, meine Argumente zu kontern, zu zerlegen, ja zu pulverisieren.

Was ich hingegen nicht bewirken möchte, ist emotionale Schwarz-Weiss-Malerei, mit Absolutheitsanspruch daherkommendes, fundamentalistisches ‚Nur-wir-haben-Recht‘-Geschrei und schon gar nicht die Reduktion des komplexen Themas auf eine reine Gender-Thematik mit den sattsam bekannten Reflexen der nach jahrtausendelanger Unterdrückung verständlicherweise endlich Morgenluft witternden Feministinnen, die das endlich übernommene Heft nicht so schnell und vor allem nicht kampflos wieder aus der Hand geben wollen. Aber ein Versuch der Promovierung von Werten, die ich als ‚typisch Animus/Risk/männlich‘ bezeichne und die ich aktuell etwas vom Aussterben bedroht wähne, muss gestattet sein, auch wenn es sich um ein hochgradig unzeitgemässes Projekt handelt.

Obwohl man sich schon vom Buch-Cover betroffen und beleidigt fühlen darf, wenn man darauf Lust hat, ist das nicht das Ziel. Die Verantwortung dafür, dass es – aus meiner Sicht – heute so viele Schneeflöckchen gibt, denen schon beim Anblick von Frisuren unwohl wird, liegt viel mehr bei der Generation, die diese Softies herangezogen hat. Und zu der gehöre ich selbst. Und die Verantwortung, dass wir – wieder aus meiner Sicht – eine Dysbalance zwischen den im klassischen Diskurs vermehrt dem Weiblichen zugeordneten ‘Anima-Werten’, die ich in diesem Text neudeutsch unter ‘Taking Care’ subsumiere, und den im klassischen Diskurs vermehrt dem Männlichen zugeordneten ‘Animus-Werten’, die ich hier unter dem Label ‘Taking Risk’ vorstelle, was mich unter anderem zu einer Attacke auf die ‚feminisierte Gesellschaft‘ verleitet, liegt bei den Männern, die sich nicht rechtzeitig für ihre Werte einsetzten – und zu denen gehöre ich ebenfalls. Mit Schuldprojektion auf ‚die andern‘ ist also nix.

Die Attacke zielt auf Ausbalancierung der Care- und der Risk-Werte, nicht auf die Umkehrung der Dominanz zugunsten der Animus-Werte – das hatten wir schon mal ein paar tausend Jahre. Das sollte die Aufregung aller Genderfundis vielleicht etwas mildern –  wobei Fundis jedweder Couleur immer aufgeregt sind…

Manchmal hilft es durchaus, zu sagen, was ein Text nicht will: Jammern und Wehklagen, auch nicht mit erhobener Flagge und viel endzeitlichem Pathos zum Vernichtungskrieg aufrufen. Beides halte ich für hochgradig lächerlich. Zum fairen Kampf der Argumente, zum Wettstreit um die plausibelsten Thesen und Weltsichten, zu einer neuen Runde fordere ich die verbliebenen, bereits angezählt in einer Ecke des Rings liegenden Restmänner aber durchaus auf. Aber nicht weinerlich, sondern rauflustig. Und die berufsmässigen Jammeris, alle Entrüsteten, die permanent Schuld an jeglichem Elend nach aussen, auf die ‚andern‘, die ‚Welt‘ projizieren, lade ich herzlich ein, doch ein klitzeklein wenig mehr Verantwortung zu übernehmen für ihre Wahrnehmunginterpretationen. Ich möchte ihnen gern verständlich machen, warum Gejammer mich, aber auch andere Männer und toughe Frauen, so unsäglich langweilt, und dass sie es – wenn es denn einem ihrer nicht zügelbaren Urtriebe entsprechen sollte – doch bitte untereinander machen sollen. Genau dafür hat doch Edison (oder wer auch immer an diesem Geniestreich beteiligt war) nach jahrhundertelangem Dorfbrunnen- und Einkaufsbegegnungs-Getratsche über Entrüstungswertes, Entsetzliches, Hochnotpeinliches, Gefährliches, Strohdummes – also generell über das, was die Männer so taten, als es sie noch gab – das Telefon erfunden?

Ich mache in diesem Buch den eigentlich unmöglichen Versuch, als Zeitgenosse genügend Abstand zu nehmen von der eigenen Zeit, um eine saftige Dekadenzphase einer Kultur einigermassen nüchtern und sogar schmunzelnd beschreiben zu können. Also kein Retro-Gejammer, sondern eher ein mit etwas – hoffentlich – unterhaltendem Spott verfasstes Beobachtungsprotokoll mit Kampfaufforderung, das natürlich bei allem Bemühen um Objektivität standpunktgebunden, relativ und damit subjektiv bleibt.


Guaycuru-Indianer aus Brasilien, Kunstdruck von Jean Baptiste Debret

Wir bleiben dran – Fortsetzung folgt!

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