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Oblt Alfred Schwarzenbach mit Big Boy bei der WM 1974. Mit im Team Hptm Paul Hürlimann (l.) und Oblt Erich Jäggin (r.) – Military war noch weitgehend ein Offizierssport

Der grossartige Pferdemann Dr. Alfred Schwarzenbach ist am 15.6.2026 verstorben. Ich gestatte mir einen persönlichen Nachruf aufgrund der letzten vier Jahrzehnte, in denen er mein Vorbild als Horseman war und es auch über seinen Tod hinaus bleiben wird. Die Vielseitigkeit gehörte bei Schwarzenbachs zur Familientradition. Sein Vater Hans Schwarzenbach war der erste und bislang einzige Schweizer, der je Badminton gewann und gehörte zum legendären Schweizerteam mit Anton Bühler und Rudolf Günthardt, das 1960 eine olympische Silbermedaille gewann in Rom. Als Reiter ritt Ali mehrfach über Badminton und Burghley und war bei grossen Championaten und den OS von München im Team. Ich lernte ihn aber erst in den 80-er Jahren kennen. Es begann bei einem Kurs mit Richard Walker, dem jüngsten Badminton-Sieger aller Zeiten, auf der Anlage von Angela Bühler. Ali beeindruckte mich sofort als Springstilist mit einer feinen Hand, wie sie heute vielleicht am eindrücklichsten Steve Guerdat demonstriert. Alis Umgang mit Pferden und Menschen hatte immer etwas im positiven Sinne Aristokratisches. Er war ein echter Gentleman, umsichtig, unaufgeregt, gelassen, höflich, zuvorkommend, ohne dass es je unentschlossen oder gar weichlich gewesen wäre. Zusammen mit Marie-Claire Vueillet, einer Kursteilnehmerin aus der Romandie, beschlossen wir, aus der Schweiz eine Monarchie zu machen und Ali als König einzusetzen. Ich bin heute noch überzeugt, dass das gut herausgekommen wäre.

   Ich erlebte ihn noch mehrfach als überaus fairen Konkurrenten bei Schweizermeisterschaften und nationalen Events. Als er mit Wettkampfsport aufhörte, stellte er sich umgehend als Chef d’Equipe und TK-Chef Concours Complet zur Verfügung. Es waren gute Jahre und ich war nicht der einzige, der viel von ihm lernte. Wo auch immer wir waren mit ihm, es reichte immer für einen Nachmittag ‘Kultur’, sei es in Rom,  Saumur, Burghley, Luhmühlen oder Pau. Und er sorgte auch dafür, dass wir nicht eine Woche lang nur Fastfood hinunterschlangen, sondern mindestens einmal gepflegt und ‘well dressed’ auswärts tafeln konnten – meist mit einem eher symbolischen Beitrag aus unserer eigenen Tasche.  Mit seinem diplomatischen Geschick schaffte er es, Teamspirit zu entwickeln, auch wenn sich – gelinde gesagt – nicht immer alle Teammembers grün waren. Seine Tochter Michele, die später ebenfalls grosse Championate bestritt, begleitete das Team zu meiner ersten EM in Achselschwang 1993. Ali beauftragte sie,  uns die Geschichte des Austragungsorts näher zu bringen, was sie in brillanter Art und Weise machte und damit etwas vom Turnierstress ablenkte. Auf Wunsch quälte uns die damals frisch ausgebildete Akupressur- und Fussreflexzonenspezialistin, indem sie mit traumwandlerischer Sicherheit den schmerzenden ‘Kniepunkt’ fand. Auf jeden Fall schaffte es Ali immer, eine Atmosphäre zu schaffen, die uns Einzelsportlern die Bedeutung des Teams näher brachte. Erst bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta habe ich wirklich begriffen, dass das Teamresultat wichtiger ist als das individuelle Abschneiden.

Ali und der SEC

Kurz vor der Jahrtausendwende gründeten wir den Swiss Eventing Club. Neben Ali waren Dominik Burger und Nadine Perret die aktivsten Mitgründer, und ich schlug vor, unsere Aktivitäten auf einer Website – damals noch etwas Neues – online zugänglich zu machen. Ich war kindlich stolz, als Mimis legendärer Sprung ins Wasser in Saumur, bei dem er einen In-Out einfach übersprang, zum Club-Logo gewählt wurde. Ali sorgte dafür, dass unser Club weder einem Regionalverband noch dem Dachverband SVPS angehörte, was uns grosse Freiheiten gab, unser Clubziel, die Förderung des internationalen Militarysports in der Schweiz, ohne hemmende Bürokratie und Abgaben zu verfolgen. Ausdruck dieser Freiheit ist bis heute die sich nicht um enge Verbandsregeln scherende Formel unseres Club-Championats. Bei uns kann ein B2-Reiter locker einen 4*-Crack schlagen, weil es zwar unterschiedliche Anforderungen, aber nur eine Rangliste gibt. Das ärgerte die Verbandsfunktionäre, da ihnen so auch der Sportfranken entging, den jeder andere Veranstalter an die Vögte aus Bern entrichten muss. Als eingefuchster Kritiker aller zentralistischen Einrichtungen, wie jeder monopolistische Sport-Dachverband eine ist, war ich begeistert, als sich British Eventing aus dem Dachverband in Greatbritain herauslöste, und fragte Ali, ob das in der Schweiz nicht auch möglich wäre. Er lächelte und rechnete mir vor, dass eine CC-Lizenz bei der damals noch recht winzigen Schweizer Military-Szene etwa 500 Franken kosten würde. Also liessen wir das bleiben und Dominik, unser grandioser ‘Machiavelli in charge’, schaffte so ziemlich alles, was er an eigenen Bestrebungen zugunsten von Swiss Eventing plante, auch ohne Konfrontation oder gar Rebellion. Der Erfolg gab und gibt ihm bis heute recht.

   Die Mitgliederversammlungen des SEC unter Alis Präsidentschaft waren legendär. Der landesweit in allen Vereinen bekannte, meist überaus langweilige ‘offizielle Teil’ mit all den immer gleichen Floskeln vom ‘Gegenmehr’ bis zum ‘Revisorenbericht’ dauerte bei ihm rekordmässig knappe zehn Minuten. Dann wurde meist überaus fein getafelt – und es wurden Projekte skizziert, Pläne geschmiedet und Taten ausgeheckt.

Neben der Reiterei war Ali VRP der FINAD, einem der ersten privaten Vermögensverwaltungsunternehmen, das er 1976 gründete.

Ali als Gönner

Ali war zusammen mit Anton Bühler auch ein Miterfinder und langjähriger Präsident des Alpencups, einer 2- (heute 3-)Sterneprüfung der Alpenländer, bei der die damals fast unanständig dominanten Briten und Iren ausgeschlossen waren, damit die Nachwuchsnationen Zentraleuropas auch mal einen Blumentopf gewinnen konnten. Als die Prüfung 2001 im neu gebauten IENA stattfand, zeigte sich erstmals das Problem einer tollen Infrastruktur ohne einen Verein, dessen Mitglieder alle Arbeiten milizmässig – sprich gratis – erledigen. Ali bezahlte das erkleckliche Defizit der im übrigen hocherfolgreichen Veranstaltung aus der eigenen Tasche. Und ohne seine Hilfe – und die einiger weiterer Freunde – wäre meine Teilnahme in Atlanta nicht möglich gewesen.

Alis Tochter Michele, ihr Ehemann Pepo Puch und Alis Enkelin Lou

Kritik an festen Sprüngen

Ein einschneidendes Erlebnis war für Ali der schwere Unfall seines Schwiegersohnes Pepo Puch, der zu meinen Aktivzeiten einer der besten österreichischen Vielseitigkeitsreiter war und 2007 auch über Burghley ritt. Nach dem Unfall mit einem jungen Pferd war Pepo zuerst vollständig gelähmt, kam aber mit ungeheurem Willen und positiver Energie wieder auf die Beine und wurde zu einem der erfolgreichsten Para-Reiter der Welt. Alis schon länger bestehendes Engagement für mehr Sicherheit im Eventing, insbesondere die Vermeidung der sogenannten ‘rotational falls’ über feste Hindernisse, wurde durch diesen Unfall bestärkt. Ali engagierte sich auch beim Weltreiterverband FEI für alle alternativen Ansätze mit brechenden oder unter Druck abkippenden Stangen, wie sie heute in jeder Geländestrecke immer häufiger zu finden sind. Ali hielt dem SEC bis zum Schluss die Treue, blieb Sponsormitglied und kam immer wieder als Dressurrichter an unser eigenwilliges, von ihm ausgehecktes SEC-Championat.

Horseman bis zum Schluss

Auch im höheren Alter ritt Ali fast täglich, half die Pferde für Pepo zu trainieren, und es erstaunte immer wieder, wie er auch zu Pferden, die als delikat oder gar schwierig galten, einen guten Draht hatte und mit ihnen kommunizieren konnte. Seiner heranwachsenden Enkelin und Springreiterin Lou gab er regelmässig Dressurunterricht – bestimmt mit ein Grund, warum sie so erfolgreich ist. Wir vermissen ihn sehr, aber er lebt fort als eindrücklicher Horseman in seinen Nachkommen und in uns allen, die ihn kennen durften.

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