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Woran erkennt man Doofheit? Bei andern, aber auch bei sich selbst? Klar, nach intensiver Beschäftigung mit einer Person oder einem Thema schnallt man es ja meist. Aber es wäre cool, es gäbe irgendein Tool, eine Methode, einen Test, mit dem man es etwas schneller checken könnte. Ich hab so eins, bin aber auch mega interessiert, wenn ihr andere, bessere habt und mir davon erzählt.

Ich wende mich an euch, weil ihr nach 2000 zur Welt kamt und deshalb vor allem das soziale Umfeld kennt, in dem Gefühle wichtiger sind als Gedanken und in dem sich wahnsinnig viel um den Body dreht, wie er aussieht, wonach er gerade Lust hat, wie man ihn gestalten kann. Klar ist Facebook bei euch eher out, aber Insta und viele andere social media sind noch deutlicher auf Fotos und Feelings fokussiert. Ich habe überhaupt nichts gegen Gefühle. Aber sie sind doch was recht Privates und ich äussere sie nur, wenn ich ausdrücklich danach gefragt werde, und auch dann nicht alle und nicht jedem gegenüber. Mit dem Austausch über Gefühle ist es eben so eine Sache. Es ist nie klar, ob sie echt sind oder nur gespielt. Ich habe auch nichts gegen physical Work-out für einen geschmeidigen, athletischen, sportlichen Body, ich finde nur, man sollte ähnlich viel mentales Work-out machen, die Abläufe im Hirn geschmeidig, athletisch und top funktionsfähig machen. Es gibt Tausende von Übungen, um besser denken zu lernen. Eine davon ist das Debattieren.

Hier also mein Tool: sagt oder schreibt der Person, die ihr auf Doofheit testen wollt, ihr möchtet über irgendwas debattieren, irgendein Thema, bei dem ihr ein bisschen was wisst, vielleicht so ein Modethema, über das fast alle irgendwas zu plaudern haben wie Klima, Corona, Gender, Wokeness, Antifa, BLM, AKW’s, Ukraine oder irgendwas, von dem ihr wisst, dass es die Testperson interessiert: Tiere, Ausbildung, Sport etc. Wenn sich die Person auf eine Debatte einlässt, ist das schon mal mega. Ihr müsst dann wenn irgendmöglich etwas anderes vertreten als die Testperson, auch wenn ihr zufälligerweise die gleiche Ansicht habt wie sie, damit es überhaupt eine Debatte, ein kleines Streitgespräch gibt. Wenn die Testperson euch zuhört und cool mit vernünftigen Argumenten die eigene Sicht stützt, dann hat sie meinen Test bestanden und ist – zumindest bei diesem Thema – definitiv nicht doof. Und dass sie sich überhaupt auf die Debatte eingelassen hat, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch sonst nicht doof ist.

Wenn sie aber emotional wird, jegliche Debatte für unnötig erklärt, weil sie ja recht habe und dich blöd hinzustellen versucht, weil du offenbar nicht die richtige Einstellung habest, nicht auf der richtigen Seite stehest, nicht die richtige Haltung, Gesinnung, nicht die richtigen feelings habest, dann ist sie bei meinem Test durchgefallen und zumindest beim angesprochenen Thema doof. Gerade wenn es um eine dir wichtige Person geht, solltest du sie nicht gleich für immer in die Schublade der Doofen einschliessen und ihr noch ein paar weitere Chancen geben, nicht doof zu sein.

Ganz spannend wird es natürlich, wenn du den Test mit dir selbst machst: Gibt es Bereiche, bei denen du dich nicht auf eine Debatte einlässt, weil du völlig überzeugt bist, es richtig zu sehen, richtig zu denken, richtig zu handeln – oder bei denen deine Gefühle so stark sind, dass du es einfach nicht schaffst, cool darüber nachzudenken oder gar zu diskutieren mit Personen, die deine Gefühle nicht teilen oder die Dinge völlig anders sehen als du? Hmmm, wenn ja, dann hast du dich gerade selbst der Doofheit überführt. Nicht weiter schlimm, man kann sich ja ohne äussere Hilfe selbst ent-doofen. Die Bereitschaft, Personen zuzuhören und sich sich mit Ansichten auseinanderzusetzen, die völlig quer zu deinen Gedanken und Gefühlen stehen, ja sich auf ein Gespräch, eine Diskussion mit ihnen einzulassen und ihre Sichtweise nachvollziehen, verstehen zu wollen – das zeichnet den Nicht-Doofen aus. Und ein Kollektiv, eine Gesellschaft, ein Staat, der dies ermöglicht, in dem die sogenannte ‘Meinungsäusserungsfreiheit’ geschützt ist, ist für mich ein nicht-doofes Kollektiv. Diese Meinungsäusserungsfreiheit und erst recht die Debattenkultur sind aber heute nicht so Mode und – das ist wahrscheinlich einfach die Sicht eines Oldys – es scheint geradezu von Doofen zu wimmeln. Aber das macht es ja vielleicht auch lustig, sie zu entdecken und in sich hineinzulachen. Lacht aber nicht zu laut, sie könnten sauer werden. Doofe verstehen meist wenig Spass, ja die Humorlosigkeit ist sogar ein noch schnelleres Tool, um Doofe zu entlarven. Erzählt irgendeinen Witz oder zeigt einen Cartoon. Wenn die Testperson eine Weltjammer-Schnute zieht, statt zu lachen, so auf entrüstet, entsetzt, betroffen macht und dir schmallippig mit dem legendären Tante-Dörte-Gesicht klar macht, dass du mit deinem Witz die Gruppe der X und womöglich auch noch die Y diskriminierst, dann hast du im Handumdrehen wieder eine Doofe entdeckt. Sag’s ihr nicht, sonst diskriminierst du die Doofen, und die sind eine schützenswerte Minderheit, auch wenn sie vielleicht bereits eine Mehrheit sein könnten.

Ich freu mich, von euren Tests zu hören und ob sie euch geholfen haben dabei, euch zu orientieren im grossen Gewusel von Doofen und weniger oder gar nicht Doofen. Eine Bitte noch: gebt den Doofen immer mal wieder eine Chance!

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